Von mongolischen Männern, Mastiffs und mehr
Wann haben wir uns zuletzt bewusst - oder überhaupt - mit der Mongolei, mit nomadischem Leben im Einklang mit der Natur und bestimmt vom Rhythmus der Jahreszeiten befasst? Was wissen wir eigentlich über dieses riesige Land, dessen Natur, seine Geschichte?
Gut, vielleicht ist dem ein oder der anderen Geschichts-Enthusiat:in Dschingis Khan ein Begriff (oder auch der gleichnamige Schlager Ralph Siegels). Am Beispiel des mittelalterlichen venezianischen Handelsreisenden (und sogar Berater des chinesischen Kaisers) Marco Polo wissen wir womöglich immerhin ansatzweise um die beinahe 800 Jahre zurückreichenden Kontakte zwischen europäischem Abendland und dem „Reich der Mitte“, welches unter der Yuan-Dynastie sogar mongolische Herrscher sah.
Aber auch abseits spannender Geschichte(n) gibt es gute Gründe sich mit der Mongolei zu befassen, denn beinahe endlose Weiten mit spektakulärer Natur locken immer zahlreichere moderne „Abenteuer:innen“ an. Ebendiese beseelte Natur (um gemäß dem deutschen Soziologen Max Weber an einer erneuten „Verzauberung“ unserer Welt mitzuwirken) und ihre scheinbar ganz unterschiedlichen (und dennoch letztlich in ihrem Spiel- und Lebenstrieb gleichen) tierischen wie menschlichen Bewohner:innen einem großen Publikum nahezubringen, ist die Lebensaufgabe eines Autoren aus der Mongolei: Gerelchimeg Blackcrane, geboren 1975, der seine Kindheit im Grasland der Inneren Mongolei verbrachte und mit seinen Dutzenden von Kinder- und Jugendbüchern bereits eine Millionen-Leserschaft erreicht und zwei namhafte Literaturpreise in China gewonnen hat.
Nun hat es sich glücklich gefügt, dass sehr kurzfristig mithilfe der freundlichen Vermittlung Bernd Einmeiers als Mitglied der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft für Wirtschaft, Bildung und Kultur e.V. und der wohlwollenden Unterstützung durch unsere Schulleiterin Frau Weger ein Besuch von Herrn Blackcrane in Begleitung einer Delegation des Chinesischen Generalkonsulats in der Seligenthaler Aula für Schülerinnen und Schüler der 11. und 12. Jahrgangsstufen möglich wurde.
Im lebhaften und unterhaltsamen chinesischen Vortrag des Autoren – welcher mittels einer Dolmetscherin geduldig und souverän übersetzt wurde – erfuhren die Schüler:innen abgesehen von den landschaftlichen Wundern der Mongolei viel Interessantes: So wurde vom allmorgendlichen Workout mongolischer Jungen und Männer mit geschulterten Pferden und sogar (jungen) Kamelen berichtet, von der befreienden Kraft der Schriftstellerei hinsichtlich des Umgangs Heranwachsender mit Ängsten und Selbstzweifeln und – beinahe das Highlight des einstündigen Events – wie viele Hundewelpen in einen ausladenden Wintermantel passen (es sind viele!). Herr Blackcrane lobte ganz besonders das Interesse seiner Zuhörerschaft und bedankte sich mit dem Verschenken zweier seiner Bücher nach dem Erzählen bei den eifrigsten (Mit)Zählern seiner Hundeschar und bestand zuletzt auch noch auf einem gemeinsamen Erinnerungsfoto mit seinem dezidiert „hübschen“ [B]ublikum.
Interessierten sei daher ein Besuch unserer Bibliothek unter Federführung Frau Kellers angeraten, da zwei Werke von Herrn Blackcrane auch in englischer Übersetzung dank der Bemühungen von Herr Menauer unsere Englisch-Lese-Ecke erweitern. Wer sich daher nach einem langen Schultag nach fernen Gefilden, dem Wind der Steppe auf einem Pferderücken und jeder Menge mongolischer Hunde im Gefolge sehnt, findet dort reichlich Inspiration: Turn on, tune in, drop out!
Arne Kronmüller
Fotos:
oben: Gruppenbild mit Dame(n, Herren und Autor)
unten li.: Mongolian Gym-Buddy des Autors
unten re.: Englisch-Leseecke in der Zentralbibliothek