Politik und Gesellschaft

Demokratie als eines der wertvollsten Güter unserer Zeit

Demokratie ist eines der wertvollsten Güter unserer Zeit. Nicht überall ist es selbstverständlich, dass sich der Bürger in Politik und Gesellschaft einbringt und einbringen darf. Freie Meinungsäußerung und die Akzeptanz verschiedener Ansichten, die durch den Rechtsstaat garantierte Gleichheit und Freiheit aller sowie freie und faire Abstimmungen und Wahlen nach dem Mehrheitsprinzip werden täglich weltweit mit Füßen getreten.

Das Fach Politik und Gesellschaft setzt es sich daher zum Ziel, unsere Jugendlichen zu mündigen und kritischen Bürgern zu erziehen, die unsere freiheitlich demokratische Grundordnung zu leben und zu schätzen wissen. Sie lernen Ereignisse und Aussagen einzuordnen, aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, sich selbst Gedanken zu machen und dementsprechend zu handeln. Durch das stete Einbeziehen aktueller Entwicklungen und Meldungen stärken wir das Bewusstsein, dass Politik jeden von uns jeden Tag betrifft und wir durch Engagement und Einsatz unsere Zukunft mitgestalten können.

Im sozialwissenschaftlichen Gymnasium wird das Fach Politik und Gesellschaft zudem durch das Fach Sozialpraktische Grundbildung ergänzt, das das soziale Umfeld der Jugendlichen noch näher beleuchtet und mit dem 15-tägigen Sozialpraktikum auch einen ganz realen Einblick in verschiedenste gesellschaftliche Bereiche bietet.


Kooperationen im Bereich der Gesellschaftswissenschaften

Das Gymnasium Seligenthal pflegt im Bereich der Gesellschaftswissenschaften zahlreiche Kooperationen.

So arbeiten wir mit der Akademie für Politische Bildung Tutzing zusammen und nehmen dort regelmäßig mit Schülergruppen an Planspielen und Veranstaltungen teil oder laden Referenten zu Vorträgen und Workshops zu uns nach Seligenthal ein.

Eine langjährige und enge Freundschaft verbindet uns mit der Grundschule Nikola, wobei unsere Schülerinnen und Schüler als Lern- und Lesepaten fungieren und ihr Patenkind durch das Schuljahr begleiten.

Wir pflegen intensive Kontakte zu den Landshuter Lokalpolitikern sowie Landtags- und Bundestagsabgeordneten aller Parteien, die politische Erfahrungen aus erster Hand mitteilen. In Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Betreuung des Landtagsamts sowie der bayerischen Ministerien erleben unsere Schülerinnen und Schüler zudem Politik vor Ort und erhalten Einblicke in die Landespolitik. Im Rahmen der Juniorwahl (eine Initiative des Kumulus e.V.) lernen die Jugendlichen sich eine politische Meinung zu bilden und diese in Wahlen auszudrücken.

Ein regelmäßiger Gast ist der Jugendoffizier der Bundeswehr, der die Oberstufe jedes Jahr über die sicherheitspolitische Lage und die neuesten Entwicklungen informiert, ergänzt wird dieses Angebot für die Oberstufe durch Dr. Markus Hünemörder der LMU München zum Thema "USA Update - Current American Politics".

Die AG Jung trifft Alt engagiert sich in der AWO Landshut und gestaltet im Mehrgenerationenhaus in der Ludmillastraße die Nachmittagsbetreuung für Senioren mit.

Ein regelmäßiges Projekt ist der Soziale Tag der Stiftung Schüler Helfen Leben, bei dem unsere Jugendlichen einen Tag für den guten Zweck arbeiten.

Die Arbeitsgemeinschaft der Landshuter Frauenhäuser und der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt bietet Workshops zum Thema in den 9. Klassen an.

Im Rahmen des Sozialpraktikums bestehen seit vielen Jahren Kooperationen mit den Krankenhäusern und Kliniken in Landshut sowie mit zahlreichen Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche. So wird z.B. das Trainerteam der Bananenflanke der Pestalozzi-Schule seit einigen Jahren regelmäßig durch Fußballbegeisterte Seligenthalerinnen und Seligenthaler unterstützt.


Abwechslungsreicher Politikunterricht lebt davon, Politik hautnah und vor Ort zu erleben, da aber natürlich nicht alle Klassen nach München ins Maximilianeum fahren können, ist es etwas ganz Besonderes, dass der Landtag in diesem Jahr zu uns nach Seligenthal gekommen ist. Unter dem Motto Der Bayerische Landtag on Tour – Unsere Wanderausstellung kommt zu Ihnen war eine Woche lang eine Ausstellung rund um das Bayerische Parlament am Gymnasium Seligenthal zu sehen.

In Zeiten zunehmender Politikverdrossenheit ist politische Bildung und das Schaffen eines demokratischen Bewusstseins wichtiger denn je. Am Gymnasium Seligenthal wird politische Bildung mit dem sozialwissenschaftlichen Zweig sehr intensiv vermittelt. Aber auch die anderen Klassen, die noch keinen Politikunterricht haben, konnten beim Besuch der Wanderausstellung ihr politisches Wissen vertiefen. Dafür hat der Landtag ein sehr gut ausgefeiltes Quiz zur Verfügung gestellt, das die Schülerinnen und Schüler durch die Ausstellung begleitete. Die Schüler erlebten eine sehr interaktive Schulstunde mit verschiedenen Medien, die Politik wirklich hautnah erleben und begreifen ließen. Bei der Ausstellungseröffnung sogar mit Informationen aus erster Hand, denn die drei Landshuter Landtagsabgeordneten Ruth Müller, Rosi Steinberger und Helmut Radlmeier besuchten  zusammen mit den Schülerinnen und Schülern der Klassen 10a und 10d die Ausstellung und standen für zahlreiche Fragen beispielsweise nach dem Alltag der Abgeordneten und für Diskussionen zur Verfügung.


Oberbürgermeisterkandidaten zu Besuch in Seligenthal

Kommunalpolitiker schenken eine Unterrichtsstunde

In der letzten Januarwoche waren fünf Oberbürgermeisterkandidaten im Rahmen der Aktion „Tag der freien Schulen – Politiker schenken eine Unterrichtsstunde“ in verschiedenen Klassen des Gymnasiums Seligenthal zu Gast. Amtsinhaber Oberbürgermeister Putz, Sigi Hagl, Patricia Steinberger, Thomas Haslinger sowie Tilmann von Kuepach nahmen sich Zeit, den Jugendlichen die Kommunalpolitik näher zu bringen und aus erster Hand (auch privat) hinter die Kulissen eines Oberbürgermeisters bzw. Stadtrats und OB-Kandidaten blicken zu lassen.

Schulleiterin, Frau Oberstudiendirektorin Ursula Weger, nahm den hohen Besuch jeweils in Empfang und stellte in einer kurzen Eröffnungsrede den besonderen Wert der Demokratie heraus. Ein (politisches) Denken in „schwarz-weiß“ sei keinesfalls zielführend und bilde auch nicht die Realität ab. Man müsse sich auch immer im Bewusstsein halten, dass gerade populistische Parteien, die vermeintlich einfache Lösungen für komplexe Probleme anböten, eine Gefahr für die Demokratie sein können. Umso wichtiger sei es, informiert zu sein, um gesellschaftliche und politische Sachverhalte auch entsprechend einordnen zu können. Sie stellte weiterhin heraus, dass jede Stimme zählt und jede noch so kleine Tat ihre Wirkung zeige, denn nicht der, „der am lautesten schreit“, mache das Beste für die Gesellschaft und die Demokratie.

Im Vortrag von Herrn Putz, dem ein angeregtes Gespräch mit vielen Fragen seitens der Schülerinnen und Schüler folgte, ging es nicht nur um rein Politisches. Besonders interessierte die Klasse auch das Arbeitspensum und die Lieblingsthemen des Kommunalpolitikers, der nicht selten bis zu 70 Stunden pro Woche arbeite, wobei man laut Herrn Putz nicht alles, was das Berufsfeld des Oberbürgermeisters mitbringe, z. B. Abendveranstaltungen, als Arbeit ansehen sollte. Authentisch und äußerst schülernah äußerte sich Herr Putz auch zu persönlichen Dingen, wie die Vereinbarkeit von Familie und „Arbeit“. Hierbei sei es seiner Ansicht nach besonders für junge Menschen in der Politik schwierig, eine Balance zwischen Privatleben und dienstlicher Verpflichtung zu finden, was auch Frau Hagl und Herr Haslinger einen Tag später bestätigten.  Von entscheidender Bedeutung sei für den Repräsentanten unserer Stadt die Zukunftsfähigkeit der Schulen bzw. der ganzen Bildungsinfrastruktur. Zu seinen Lieblingsaufgaben gehöre demnach auch der Besuch an den Schulen selbst. Daneben sei es aber ebenso wichtig, innerhalb der Politik mit Weggefährten, auch mit solchen, die ggf. eine andere Meinung vertreten, beständig zu diskutieren und sie ernst zu nehmen. Auch die Stadträte Sigi Hagl und Thomas Haslinger stellten in ihrem gemeinsamen Besuch heraus, dass der Dialog mit dem politischen Gegner trotz gegensätzlicher Positionen immer fair und freundlich ablaufen müsse. Der Stadtrat sei ein Kollegialorgan, erläuterte Haslinger, wo es nicht immer nur auf die Parteizugehörigkeit ankomme, sondern gemeinsam und parteiübergreifend nach Lösungen für die Stadt Landshut gesucht werden müsse. In den sozialen Netzwerken nähmen aber Hasskommentare und persönliche Beleidigungen massiv zu, so Hagl.

Auch ganz private Einblicke gewährten die Kommunalpolitiker. Alexander Putz beispielsweise verriet, dass seine eigene Bibliothek neun Meter lang sei. Der darüber hinaus vielseitig interessierte Oberbürgermeister, der von Beruf auch Bauingenieur ist, könne sich für viele Dinge begeistern, so auch für Sport, Literatur und Musik. Patricia Steinberger zeigte auf, dass bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit leider wenig Zeit für Sport bleibe, sie ihre Tätigkeit trotzdem eher als „zeitintensives Hobby“ denn als Arbeit bezeichnen würde. Dem stimmten die anderen Kandidaten zu. Tilmann von Kuepach gab einen Einblick in seine Berufswahl und zeigte auf, dass er, obwohl sein Traumberuf Architekt oder Bauleiter nicht geklappt hat, jetzt als Jurist für Baurecht er trotzdem seine Leidenschaft in den Beruf integrieren konnte.

Am Ende der drei kurzweiligen, sehr informativen Zusammentreffen motivierten die Kommunalpolitiker die Jugendlichen, sich zu engagieren und an sich selbst zu glauben. So bestärkte Herr Putz die Schülerinnen und Schüler (die übrigens nur eine Sache bedauerten, nämlich dass die Zeit zu kurz gewesen sei), das einzusetzen, was jeder gut könne. Deshalb gelte es, nicht nur an den Schwächen, sondern vor allem auch an den eigenen Stärken zu arbeiten. Würden nämlich alle ständig nur ihre Schwächen ausmerzen, wären am Ende alle gleich. Herr Haslinger appellierte am Ende seines Besuches, „die eigene Meinung zu bewahren“ und Nachrichten „kritisch zu hinterfragen“. Zusammen mit seiner Kollegin Sigi Hagl rief er die Jugendlichen dazu auf, sich demokratisch zu engagieren, sei es in einer der Jugendorganisationen der Parteien, in einer Partei oder in einer anderen Form für die Gesellschaft aktiv zu werden. Ursula Weger stellte am Ende noch einmal heraus, wie wichtig die Teilnahme an Wahlen ist, um die Demokratie zu erhalten. In vielen Teilen der Erde „gibt es auch heute noch Menschen, die im Kampf für das Wahlrecht auf die Straße gehen und dabei sterben.“ Deshalb müssen wir, die diese Errungenschaft bereits haben, dieses Recht auch wahrnehmen.

 

Jakob Kaufmann, Simone Blaschke