„You can easily get all four seasons in one single day!“Q11 trifft sich virtuell mit Lehrerin aus Dublin

Der Distanzunterricht hält so einige Herausforderungen für SchülerInnen und LehrerInnen bereit, doch es gibt auch nicht von der Hand zu weisende Vorteile. So konnten die TeilnehmerInnen eines Seligenthaler Q11-Kurses im Januar 2021 die rund 1700 Kilometer zwischen Landshut und Dublin durch einen Mausklick überwinden und der irischen Lehrerin Aislinn Nic an Bhreithiún Löcher in den Bauch fragen.
Schon ihr Nachname weist auf die spannende und komplexe Geschichte Irlands hin, denn er bedeutet in der gälischen Sprache „Tochter des Richters“. Frau Nic an Bhreithiún erläuterte den ZuhörerInnen dann auch gleich die Signifikanz der gälischen Sprache für die irische Psyche und kollektive Identität. Gälisch war von der englischen Kolonialmacht zwischenzeitlich nahezu ausgerottet worden. Heute unterrichtet sie an einer „All-Irish School“, der Coláiste Mhuire Schule, an der in allen Fächern ausschließlich Gälisch gesprochen wird – mit der einzigen Ausnahme der Englisch-Stunden.
Die Lehrerin selbst spricht Englisch, Gälisch und hervorragendes Deutsch. Sie lebte fünf Jahre in Berlin und konnte dadurch spannende Parallelen ziehen, als sie von Vincent Goldes um einen Vergleich des „Lebens in den Großstädten“ Dublin und Berlin gebeten wurde. Natürlich tauschte man sich anfangs auch sofort über die Beschränkungen eines Lebens unter Covid-19 aus, zumal das Beispiel Irlands in der deutschen Politik kontrovers diskutiert wird.
Die SchülerInnen hatten im Vorfeld viel über die irische Geschichte gelernt und stellten treffende und tiefgründige Fragen, wobei aber auch der berühmte irische Humor nicht zu kurz kam. Frau Nic an Bhreithiún diskutierte mit der Q11 über die Brexitproblematik rund um Nordirland, die exorbitanten Wohnungspreise in Dublin und die große Bedeutung der Kunst für den irischen Nationalstolz. Gleichzeitig wurden aber auch die irische Pub-Kultur, die schönsten Flecken der grünen Insel, die wichtigsten Traditionen und das unvorhersehbare Wetter besprochen. „You can easily get all four seasons in one single day!“ sagte Frau Nic an Bhreithiún zum Erstaunen und Belustigung der SchülerInnen. Abgerundet hat sie den Kulturvergleich mit einer amüsanten Gegenüberstellung von „typisch“ deutschen und „typisch“ irischen Verhaltensmustern: „When a German guy says he calls you, he calls you! We Irish try to be as polite as possible, but that also means that we’d get somebody’s number and never plan to call them again. I really appreciate this honesty in Germans!”
Die Irin betonte, dass sie am Ende des Gesprächs darin bestärkt wurde, dass Menschen sich auch über große Distanzen hinweg verstehen und ähnlich sind. Das hat ihr der Enthusiasmus und die Neugier der SchülerInnen gezeigt. Sie endete mit dem schönen Kompliment: „It was a discussion I shall treasure for some time yet to come.” Diese warmen Worte wollte man sofort zurückgeben, so äußerte sich zum Beispiel Viktoria Ernst  „When the call was over, I found myself thinking: let’s do it again!“, Lisa Janssen und Elisabeth Rieger bekamen „a new perspective on Brexit“ und Katharina Mottinger brachte die Sache mit „it was just amazing!“ noch knapper auf den Punkt.