Oberbürgermeisterkandidaten zu Besuch am GymnasiumOberbürgermeisterkandidaten schenken eine Unterrichtsstunde

In der letzten Januarwoche waren fünf Oberbürgermeisterkandidaten im Rahmen der Aktion „Tag der freien Schulen – Politiker schenken eine Unterrichtsstunde“ in verschiedenen Klassen des Gymnasiums Seligenthal zu Gast. Amtsinhaber Oberbürgermeister Putz, Sigi Hagl, Patricia Steinberger, Thomas Haslinger sowie Tilmann von Kuepach nahmen sich Zeit, den Jugendlichen die Kommunalpolitik näher zu bringen und aus erster Hand (auch privat) hinter die Kulissen eines Oberbürgermeisters bzw. Stadtrats und OB-Kandidaten blicken zu lassen.

Schulleiterin, Frau Oberstudiendirektorin Ursula Weger, nahm den hohen Besuch jeweils in Empfang und stellte in einer kurzen Eröffnungsrede den besonderen Wert der Demokratie heraus. Ein (politisches) Denken in „schwarz-weiß“ sei keinesfalls zielführend und bilde auch nicht die Realität ab. Man müsse sich auch immer im Bewusstsein halten, dass gerade populistische Parteien, die vermeintlich einfache Lösungen für komplexe Probleme anböten, eine Gefahr für die Demokratie sein können. Umso wichtiger sei es, informiert zu sein, um gesellschaftliche und politische Sachverhalte auch entsprechend einordnen zu können. Sie stellte weiterhin heraus, dass jede Stimme zählt und jede noch so kleine Tat ihre Wirkung zeige, denn nicht der, „der am lautesten schreit“, mache das Beste für die Gesellschaft und die Demokratie.

Im Vortrag von Herrn Putz, dem ein angeregtes Gespräch mit vielen Fragen seitens der Schülerinnen und Schüler folgte, ging es nicht nur um rein Politisches. Besonders interessierte die Klasse auch das Arbeitspensum und die Lieblingsthemen des Kommunalpolitikers, der nicht selten bis zu 70 Stunden pro Woche arbeite, wobei man laut Herrn Putz nicht alles, was das Berufsfeld des Oberbürgermeisters mitbringe, z. B. Abendveranstaltungen, als Arbeit ansehen sollte. Authentisch und äußerst schülernah äußerte sich Herr Putz auch zu persönlichen Dingen, wie die Vereinbarkeit von Familie und „Arbeit“. Hierbei sei es seiner Ansicht nach besonders für junge Menschen in der Politik schwierig, eine Balance zwischen Privatleben und dienstlicher Verpflichtung zu finden, was auch Frau Hagl und Herr Haslinger einen Tag später bestätigten.  Von entscheidender Bedeutung sei für den Repräsentanten unserer Stadt die Zukunftsfähigkeit der Schulen bzw. der ganzen Bildungsinfrastruktur. Zu seinen Lieblingsaufgaben gehöre demnach auch der Besuch an den Schulen selbst. Daneben sei es aber ebenso wichtig, innerhalb der Politik mit Weggefährten, auch mit solchen, die ggf. eine andere Meinung vertreten, beständig zu diskutieren und sie ernst zu nehmen. Auch die Stadträte Sigi Hagl und Thomas Haslinger stellten in ihrem gemeinsamen Besuch heraus, dass der Dialog mit dem politischen Gegner trotz gegensätzlicher Positionen immer fair und freundlich ablaufen müsse. Der Stadtrat sei ein Kollegialorgan, erläuterte Haslinger, wo es nicht immer nur auf die Parteizugehörigkeit ankomme, sondern gemeinsam und parteiübergreifend nach Lösungen für die Stadt Landshut gesucht werden müsse. In den sozialen Netzwerken nähmen aber Hasskommentare und persönliche Beleidigungen massiv zu, so Hagl.

Auch ganz private Einblicke gewährten die Kommunalpolitiker. Alexander Putz beispielsweise verriet, dass seine eigene Bibliothek neun Meter lang sei. Der darüber hinaus vielseitig interessierte Oberbürgermeister, der von Beruf auch Bauingenieur ist, könne sich für viele Dinge begeistern, so auch für Sport, Literatur und Musik. Patricia Steinberger zeigte auf, dass bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit leider wenig Zeit für Sport bleibe, sie ihre Tätigkeit trotzdem eher als „zeitintensives Hobby“ denn als Arbeit bezeichnen würde. Dem stimmten die anderen Kandidaten zu. Tilmann von Kuepach gab einen Einblick in seine Berufswahl und zeigte auf, dass er, obwohl sein Traumberuf Architekt oder Bauleiter nicht geklappt habe, er jetzt als Jurist für Baurecht  trotzdem seine Leidenschaft in den Beruf integrieren könne.

Am Ende der drei kurzweiligen, sehr informativen Zusammentreffen motivierten die Kommunalpolitiker die Jugendlichen, sich zu engagieren und an sich selbst zu glauben. So bestärkte Herr Putz die Schülerinnen und Schüler (die übrigens nur eine Sache bedauerten, nämlich dass die Zeit zu kurz gewesen sei), das einzusetzen, was jeder gut könne. Deshalb gelte es, nicht nur an den Schwächen, sondern vor allem auch an den eigenen Stärken zu arbeiten. Würden nämlich alle ständig nur ihre Schwächen ausmerzen, wären am Ende alle gleich. Herr Haslinger appellierte am Ende seines Besuches, „die eigene Meinung zu bewahren“ und Nachrichten „kritisch zu hinterfragen“. Zusammen mit seiner Kollegin Sigi Hagl rief er die Jugendlichen dazu auf, sich demokratisch zu engagieren, sei es in einer der Jugendorganisationen der Parteien, in einer Partei oder in einer anderen Form für die Gesellschaft aktiv zu werden. Ursula Weger stellte am Ende noch einmal heraus, wie wichtig die Teilnahme an Wahlen ist, um die Demokratie zu erhalten. In vielen Teilen der Erde „gibt es auch heute noch Menschen, die im Kampf für das Wahlrecht auf die Straße gehen und dabei sterben.“ Deshalb müssen wir, die diese Errungenschaft bereits haben, dieses Recht auch wahrnehmen.