Digitalisierung ohne Wissensminimierung!Schulinterne Lehrerfortbildung am Gymnasium Seligenthal

An einem Freitagnachmittag traf sich das gesamte Kollegium des Gymnasiums Seligenthal zu einer schulinternen Lehrerfortbildung, die ganz im Zeichen des Medienkonzepts stand. Nach einem Vortrag zu den Erfordernissen eines modernen Unterrichts im digitalen Zeitalter und einer Einführung in MEBIS, die digitale Bildungsplattform des Landesmedienzentrums Bayern, erarbeiteten die Lehrkräfte in fachgebundenen Workshops praktische Module zur Umsetzung des Mediencurriculums.

Als Referent konnte der Journalist, Blogger und ausgewiesene Social-Media-Experte bei redaktion42 Matthias J. Lange gewonnen werden, der bereits seit vielen Jahren regelmäßig Gast bei den SMV-Tagungen des Gymnasiums ist. Die verschiedenen Stationen seines beruflichen Werdegangs, wie Redakteur beim Münchner Merkur, Pressereferent der Handwerkskammer für München und Oberbayern, Chefredakteur verschiedener digitaler Fachmagazine und Vorsitzender des Bloggerclubs e. V. sowie zahlreiche Buchveröffentlichungen und seine umfangreiche Dozententätigkeit, ließen ihn zu einem profunden Kenner der digitalen Welt und der sich daraus ergebenden neuen Entwicklungen und Anforderungen werden.

Vor der Lehrerschaft führte er aus, dass die Digitalisierung zu einem Paradigmenwechsel geführt habe, der eine neue Schwerpunktsetzung im Unterricht erfordere. Nicht mehr die Suche nach geeigneter Literatur sei das Problem z. B. beim Erstellen von Referaten, sondern die Auswahl aus der Informationsfülle. Zielgerichtet zu recherchieren und den Wahrheitsgehalt zu überprüfen seien die Herausforderungen für die Jugendlichen. Gerade da Bildern hohe Beweiskraft zugesprochen werde, sei es wichtig, die vielfältigen Möglichkeiten der Bildbearbeitung, des Austauschens von Bildelementen oder des Animierens z. B. von Gesichtern zu kennen und die Primärquelle zu finden. Gleiches gelte für Texte. Jeder könne heute, wie früher nur ausgebildete Redakteure, Texte veröffentlichen und im Internet massenhaft verbreiten, aber eben auch ohne fundierte Recherche. Zugleich sinke die Hemmschwelle für beleidigende Äußerungen und Hate Speech stetig, besonders bei aktivierten Kommentarfunktionen ließe sich die Verrohung der Sprache beobachten.

In unserem so genannten Post-PC-Zeitalter ersetze das Smartphone mehrere Geräte, vom bloßen Telefon über den PC und Fernseher bis zur Fernsteuerung z. B. verschiedener Haushaltsgeräte. Das Smartphone werde so besonders für 16- bis 24-Jährige zum Zentrum des digitalen Lebens und der wichtigste Zugang zu aktuellen Nachrichten. Die ständige Nutzung auch im Straßenverkehr berge jedoch ein hohes Gefahrenpotential, dem einzelne Städte bereits durch die Einführung von Bodenampeln erfolgreich entgegenwirken. Doch stehe bei einer Anfrage über Suchmaschinen, die wie z. B. Google tatsächlich nur 4% des Internets durchforsten, bei weitem nicht ein breites, fundiertes Wissen abrufbereit. Durch die individualisierten und personalisierten Zugänge, ermöglicht durch große Datenmengen über den Nutzer, erhielten verschiedene Nutzer auf dieselbe Anfrage unterschiedliche Ergebnisse. Die so gefilterten Informationen bestätigten in der Regel die Meinung des Nutzers und vermittelten ihm aufgrund dieser „Filterblase“ keine neue Perspektive auf einen Sachverhalt.

Diese Mechanismen gelte es in einer kompetenten Medienerziehung bewusst zu machen, plädierte der Referent, um der Einseitigkeit und Verarmung des Wissens entgegenzuwirken.

Maria Fischer