Bedenke nicht; gewähre, wie du’s fühlstTeil der Q11 besucht „Iphigenie auf Tauris“ im Deutschen Theater Göttingen am 16.11.2019

Die grundsätzliche Idee zum Besuch einer Aufführung dieses Goethe‘schen Dramas, zu Beginn des Schuljahres ausführlich im Deutschkurs behandelt, kam zunächst von Frau Grüner. Da aber in diesem Jahr leider keine Inszenierung dieses Stücks im süddeutschen Raum zu finden war, entschloss sich der Kurs kurzerhand dazu, die lange Anreise nach Göttingen auf sich zu nehmen. Und – es hat sich mehr als gelohnt!

Thematisch ist das Stück um die griechische Fürstentochter, die auf der Insel Tauris als Priesterin dient und durch ihr humanes und von Empathie geprägtes Handeln der Rohheit und Gewaltbereitschaft der Männerwelt Einhalt gebietet, aktueller denn je.

Das Deutsche Theater bot eine beeindruckende Aufführung, die die Schülerinnen und Schüler mit Frau Grüner fasziniert zurückließ. Gekrönt wurde der Abend noch von einem anschließendem Nachgespräch mit der zuständigen Dramaturgin und den Darstellern. Es entwickelte sich schnell ein angeregtes Gespräch über verschiedene Ideen bei der Umsetzung, Hintergründe des Bühnenbildes oder Botschaften, die auf verschiedenen Wegen vermittelt werden sollten. Die Schülerinnen und Schüler konnten dabei auch mit ihrem Wissen zu Goethes Drama glänzen.

Nach einer kursinternen Nachbesprechung in der benachbarten Kellerbar, bei der man noch den ein oder anderen Gedanken zum Stück austauschte, ging es dann wieder zurück in die Jugendherberge und am nächsten Morgen wieder heim nach Landshut.

Martina Grüner

Schon beim Einlass wurde klar, dass es sich um keine klassische Inszenierung handelt. […] Um zu den Sitzplätzen zu gelangen, wurden alle Zuschauer quer über die Bühne des kleinen Studios geführt. […] Daniel Forster entwarf ein modernes Bühnenbild, welches durch einen Strand mit zugehöriger Bar und eingespielter Wohlfühlmusik zunächst Urlaubsstimmung vermittelte. Mit Hilfe einer Live-Kamera wurden Teile der Handlung in neuer Perspektive auf eine zweite Ebene hinter die Bühne verlegt. (Emma Knaus)

 

 

Die Rollenbesetzungen mit nur vier Schauspielern, die abwechselnd in verschiedene Rollen schlüpfen mussten, zeigte, dass auch Frauen einen barbarischen König spielen können. (Shirin Brantzen)

Durch die blutige Opferung zu Beginn wird dem Zuschauer ohne Vorwarnung oder Erklärung die Brutalität jener Riten nahegebracht, und somit auch das Entsetzen Iphigenies im Stück darüber. […] Am meisten überraschte jedoch die Darstellung der innigen Beziehung zwischen Orest und Pylades, als die Schauspieler den ersten verzweifelten Wahnanfall Orests mit einem Kuss beenden, als Zeichen der innigen Beziehung der beiden. (Nina Wohlgemuth)

Florian Donath hat es keine Mühe bereitet, zwischen dem todgeweihten Orest und dem heiratswilligen König Thoas hin- und herzuspringen. Den völlig verschiedenen Charakteren wurde er immer sofort gerecht. (Luca Dobay)

Auf dem Bild zu sehen: Florian Donath, Marina Lara Poltmann, Rebecca Klingenberg

Aufgenommen von: Isabel Winarsch