16.11.2017 22:43 Alter: 67 days

„Kunst ist ein Weg zur Erkenntnis“ - Engelbert Hilbich

Kategorie: Schule + Kunst, Startseite (GYM)
Ursula Weger Landshuter Maler und Graphiker (1923-2011)

Engelbert Hilbich – Atelier 1981

Mit den Bildern des Landshuter Malers und Graphikers Engelbert Hilbich erhält das Gymnasium Seligenthal einen weiteren Schatz, der das Treppenhaus von der Mensa zur Bibliothek zu einem Kunstspaziergang werden lässt.


Engelbert Hilbich wurde 1923 in Königshütte in Oberschlesien geboren, wo er die deutsche Volksschule und das Gymnasium besuchte. Da sich sein künstlerisches Talent schon sehr früh zeigte, erhielt er bereits in dieser Zeit Privatunterricht in Zeichnen und Malen bei Prof. Fritz August Bimler. Doch neben der bildenden Kunst hatte es ihm auch die Musik angetan. Sein Studium an der Landesmusikschule in Kattowitz wurde allerdings 1942 durch den Krieg jäh unterbrochen, der ihn als Soldat nach Russland, Dänemark und Frankreich führte.


Nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft  nach Pfeffenhausen / Ndb. war Engelbert Hilbich zunächst als freischaffender Maler tätig. Doch die Musik ließ den vielseitigen Künstler nicht los. Nach Ablegung der Prüfung zum Kirchenmusiker im Jahr 1954 wirkte er  in der Pfarrei St. Margaret in Landshut als Organist und Chorleiter. Von 1959 – 1964 studierte er Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Prof. Franz Nagel.  Eine Aushilfstätigkeit als Kunsterzieher am Gymnasium Rohr 1952 eröffnete ihm ein weiteres Berufsfeld und so war es nur folgerichtig, dass er neben seiner Tätigkeit als Maler und Graphiker sowie als Organist in St. Martin von 1972 bis 1990 mit großem Engagement und  Erfolg am Gymnasium Seligenthal und  ab 1974 auch der Fachakademie unterrichtete. Sein Anliegen als Kunsterzieher  fasste er selbst in folgende Worte: „Es gibt keinen sachlichen Lernstoff, keine Rezepte, nach denen man Kunst machen kann…Worauf kommt es also an, was können wir tun um einen Weg zur schöpferischen Tätigkeit und zur künstlerischen Aussage zu führen? Erstens das Schauen, nicht nur im Sinn der Feststellung, besser gesagt, das Wahrnehmungsvermögen schulen; zweitens die bildnerischen Mittel kennenlernen, um Erlebtes, Wahrgenommenes ausdrücken, formulieren zu können.“[1]  Denn Kunst ist nach seinen eigenen Worten „ein Weg zur Erkenntnis“. Seine Bilder  sind  – wie Hans Krieger es einmal formulierte – „ die kreative Antwort des Malerauges auf Gesehenes, die das Wahrgenommene erhellend verwandeln und Beziehung stiften.“[2]

Die Motive findet Engelbert Hilbich meist in der Natur, die er, auf das Wesentliche reduziert, oft in Erdtönen gestaltet. Schwerpunkte sind die Themenkreise Stillleben, Landschaften und Naturformen, die ihn dann auch zur abstrakten Malerei führten. Seine Bilder, die in zahlreichen Ausstellungen vor allem  in Landshut, Regensburg und München gezeigt wurden, strahlen eine tiefe Ruhe und Stille aus und führen damit das Auge des Betrachters im Blick auf die Dinge in die Dinge hinein und erschließen ihm so Aussagen, die weit über die Realität des Bildes hinausgehen. Engelbert Hilbich war auch ein hervorragender Porträtist, der  zahlreiche bekannte Persönlichkeiten malte, unter anderem die Malerin Gabriele Münter, den Komponisten Josef Haas, den niederbayerischen Regierungspräsidenten Dr. Gottfried Schmidt, die Äbtissin von Seligenthal Columna Baumgartner und den Landshuter Oberbürgermeister Josef Deimer.

Die nun in Seligenthal zu sehenden Bilder sind ein repräsentativer Querschnitt des 2011 verstorbenen Landshuter Malers. Unser großer Dank gilt seinen Kindern Lydia Westermann-Hilbich, Eva Miralles Garcia und Markus Hilbich für dieses überaus großzügige Geschenk, das alle, die in Seligenthal aus und eingehen auffordert, das „Sehen“ zu lernen.


[1] Zitat aus einem Heft Engelbert Hilbichs zur Unterrichtsvorbereitung
[2] Hans Krieger, Rede zur Ausstellungseröffnung im Landshuter Rathauskeller am 10.5.2002