Projekte und Aktivitäten in Seligenthal

Schule ist mehr – Seligenthaler engagieren sich in vielen Projekten innerhalb und ausserhalb der Schulfamilie. Hier finden Sie eine Übersicht von Aktivitäten aus allen aktuellen Projekten.

Nachrichten aus allen Seligenthaler Projektaktivitäten

Die Würde des Menschen ist unantastbar – schulartübergreifender Projekttag in Seligenthal

Das Gymnasium, die Wirtschaftsschule und die Fachakademie veranstalteten am 27.1.2017 – erstmalig gemeinsam – einen Projekttag zum Thema Menschenwürde, „um so ein Zeichen zu setzen, dass dieses Thema - unabhängig von Lehrplänen und Schulgattungen - uns alle gleicherweise angeht“ (Ursula Weger, Schulleiterin des Gymnasiums).


Dieses Datum, an dem international den Opfern des Holocausts gedacht wird, sollte Anstoß zu der Überlegung geben, wie jeder von uns auch im Alltag mit der Würde seiner Mitmenschen umgeht  „und wo Gewalt, Ausgrenzung, Hass und Diskriminierung beginnen. Denn auch großes Unrecht beginnt mit kleinen Schritten und so kann umgekehrt nur im Kleinen, das heißt im täglichen Verhalten von uns allen, Unrecht verhindert werden“ (Ursula Weger). Um die Schülerinnen und Schüler auf das Thema einzustimmen, führte der Politikwissenschaftler Michael Ingber in einem Impulsreferat in den Begriff ein. Der Historiker und Nahostexperte erlebte als in den USA geborener Jude selbst Ausgrenzung: Restaurants, die Juden den Einlass verwehren, aber auch Rassendiskriminierung in Form von nach Hautfarbe getrennten Schulen, Toiletten oder Plätzen im Bus. In Bezug auf die Verbrechen der NS-Zeit sagte Ingber: „Der erste Schritt zur Vernichtung ist die Entmenschlichung“. Dies machte er anhand sehr berührender Bilder eindrucksvoll deutlich.Im Anschluss beschäftigten sich die Jugendlichen in schulartgemischten Workshops sehr intensiv mit verschiedenen Aspekten rund um das Thema Menschenwürde. Eine Gruppe stellte fest, dass Menschenwürde schon in der Sprache beginnt, und diskutierte, ob Ausdrücke wie schwarzfahren oder Negerkuss schon rassistisch sind oder im alltäglichen Sprachgebrauch unbedenklich verwendet werden können. Eine andere Gruppe befasste sich mit der Frage, was zu einem menschenwürdigen Leben gehört und erkannte dabei, dass die Menschenrechte, die beispielsweise in der UN-Menschenrechtscharta oder im deutschen Grundgesetz durch die Grundrechte festgelegt sind, ein Leben in Würde schaffen. Doch was geschieht in Zeiten von Terror und Krieg mit unseren Menschenrechten? Die Gräueltaten in Syrien oder die Terroranschläge in Paris und Berlin zeigen, dass unser Recht auf Leben und Sicherheit das höchste Gut ist, somit kamen die Jugendlichen zu dem Schluss, dass manche Rechte wie beispielsweise das Recht auf Privatsphäre zugunsten anderer Rechte eingeschränkt, nicht aber abgeschafft werden dürfen. Die Diskussion zeigte, dass Menschenwürde ein sehr vielschichtiger Begriff ist: Sie ist an sich einfach, in ihrer Ausführung aber komplex; sie ist kompliziert, fundamental, allgegenwärtig, aber auch verletzlich, angesichts aktueller rechtspopulistischer Tendenzen gefährdet und in Zeiten, in denen das Staatsoberhaupt der größten Demokratie der Welt über Einreisestopps für Angehörige gewisser Staaten und Religionen sowie über Folter nachdenkt, brandaktuell. Dieser Tag „war ein kleiner Beitrag zu einer besseren Gesellschaft“ (Michael Ingber), der allen Beteiligten bewusst machte, (wieder) mehr auf die Würde der Mitmenschen zu achten und diese zu leben.

Hier können Sie den isar-TV Beitrag zur Veranstaltung einsehen

http://www.isar-tv.com/mediathek/video/projekt-zur-menschenwu %CC%88rde-am-gymnasium-seligenthal/


Autor: bl | Datum: 31.01.2017