Nachrichten zu Veranstaltungen im Gymnasium Seligenthal

Geschichtsausstellung „Weg zur Wiedervereinigung“

Die zehnten Klassen des Gymnasiums Seligenthal eröffnen die Ausstellung „Weg zur Wiedervereinigung“ gemeinsam mit Ruth Müller (MdL)


Sorgfältig hatte man sich zu dieser Ausstellungseröffnung den 9. November ausgesucht, denn an diesem Datum fiel nicht nur vor 26 Jahren die Mauer, die West und Ost seit 1961 getrennt hatte. In Berlin wurde die Weimarer Republik am 9. November ausgerufen (1918), ebenso scheiterte an diesem historischen Tag der Hitlerputsch in München (1923) und spätestens seit den Novemberpogromen der Nazis im Jahre 1938 erhielt der 9. November dann die dunkle Färbung, die der Tag lange behalten sollte.

Die Veranstaltung, die in der Aula des Gymnasiums stattfand, wurde von den zehnten Klassen mit ihren Lehrkräften Michael Menauer, Martina Grüner und Robert Stefan vorbereitet und gestaltet. In ihren Begrüßungsworten thematisierte Frau Grüner die eingangs erwähnten, verschiedenen Facetten des Datums gemeinsam mit den Schülern. Zuvor hatte ein Live-Mitschnitt des Liedes „Freiheit“ von Marius Müller Westernhagen den atmosphärischen Rahmen für die Veranstaltung geschaffen.

Frau Ruth Müller beschrieb dann in ganz persönlichen Worten, wie sie als junge Erwachsene auf einer Fahrradtour durch Ungarn im Sommer 1989 erstmals von der Möglichkeit zur Wiedervereinigung erfuhr. Um den Schülern das Ausmaß ihrer Überraschung deutlich zu machen, verglich sie die Vorstellung des möglichen Mauerfalls mit einer anderen historischen Überraschung des 20. Jahrhunderts: „Der Mauerfall war für uns auch während der 80er Jahre noch so unvorstellbar wie das Senden eines Mannes zum Mond - einfach nicht denkbar.“ Die Landtagsabgeordnete sieht in diesen Monaten des Jahres 1989 auch den Anfang ihres eigenen politischen Engagements, denn sie spürte, dass nun die Verantwortung auch ganz besonders bei den jungen Menschen liegen werde und müsse. Ihren biographischen Ausführungen ließ Frau Müller deshalb noch die Bitte an die Schüler folgen: „Das ist eure Zukunft, ihr müsst auch darum kümmern und euch auch politisch einbringen.“ 

Mit großen Kartons teilten im Anschluss ausgewählte Schüler die Bühne in Ost und West und bauten so symbolisch eine Mauer. Die Schüler lasen auf beiden Seiten der Kartons kleine Berichte zu einzelnen Stationen des Wiedervereinigungsprozesses (z.B. Mauerfall, Volkskammerwahlen und Währungsreform) aus der Perspektive von Menschen aus West-und Ostdeutschland und nahmen, je nach positiver oder negativer Färbung ihres Fazits, einen Kartonstein aus der „Mauer“ oder eben nicht. So entstand insgesamt ein buntes Meinungsbild. Sowohl die zahlreichen Gewinner als auch die vermeintlichen Verlierer kamen zu Wort und die Mauer schrumpfte so vor den Augen der Mitschüler. Am Ende dieser unterhaltsamen, aber auch nachdenklich stimmenden szenischen Darstellung blieben lediglich zwei einsame Kartons auf dem Bühnenboden. Das Fazit des Schülers Konstantin: „Da ist noch dieser kleine Rest, diese Mauer in unseren Köpfen.“

Wie man diese Mauer nun auch noch abtragen könne, das zeigten abschließend noch die Schülerinnen Magdalena Wittmann und Julia Schmöger aus der Q12. Magdalena las aus dem Tagebucheintrag einer Studentin aus Westberlin, in dem deutlich wurde, wie wichtig direkter Kontakt mit Menschen im Kampf gegen Vorurteile ist. Julia zog dann noch eine Parallele zur epochalen Aufgabe, vor der die deutsche Gesellschaft gerade im Moment steht. „Die Integration von hundertausenden von Flüchtlingen darf auch keine Mauern zulassen. Wir müssen, wie die Studentin aus Westberlin, auf die Menschen zugehen.“ Mit diesen Worten schloss sie ihren Beitrag und damit die Veranstaltung. 


Autor: HEC | Datum: 20.11.2015