Pressemeldungen Gymnasium Seligenthal

Seligenthaler „Brückenkurs” – ein Vorzeigemodell

Auszeichnung mit dem Niederbayrischen Integrationspreis 2016


v.li n.r. Die DaZ-Lehrerinnen Gudrun Graf und Stefanie Stegerer, Maria Fischer, Ursula Weger, Staatsministerin Emilia Müller, Carsten Riegert, Regierungspräsident Heinz Grunwald

Schülerinnen und Schüler der Brückenklasse

Urkunde der Regierung

Eine ganz besondere Würdigung aus der Hand der Bayrischen Staatsministerin Emilia Müller und des Regierungspräsidenten Heinz Grunwald erfuhr das Engagement des Gymnasiums Seligenthal, ausländischen Kindern und Jugendlichen ohne Deutschkenntnisse einen guten Start an weiterführenden Schulen zu ermöglichen. Dabei handelt es sich um eine wichtige Ergänzung des Angebots der Übergangsklassen an den Mittelschulen, das sich speziell an gymnasial begabte und hoch motivierte Schülerinnen und Schüler richtet, die bereits in ihrem Herkunftsland eine unseren Gymnasien oder Realschulen vergleichbare Schulart besucht haben und nur aufgrund fehlender Deutschkenntnisse dem Unterricht an einem Gymnasium nicht folgen können. Meist handelt es sich dabei um Kinder ausländischer Arbeitnehmer im Landshuter Raum, es werden jedoch auch Kinder asylsuchender Eltern und unbegleitete Flüchtlinge aufgenommen, soweit sie die Zugangsvoraussetzungen erfüllen.

39 Schülerinnen und Schüler aus 16 Nationen absolvierten im vergangenen Schuljahr das jahrgangsübergreifende Brückenkursprogramm, in dem sie von zwei als DaZ(Deutsch als Zweitsprache)-Lehrerinnen speziell ausgebildeten Kolleginnen im Rahmen von 10-16 Wochenstunden intensiv in Deutsch geschult werden, um dem Unterricht in den einzelnen Fächern bald folgen zu können. Gleichaltrige Mitschüler als Paten sorgten dafür, dass sie sich in den Unterrichtsstunden in den Gastklassen ihres Jahrgangs schnell heimisch fühlten. In interkulturellen Trainingsmodulen wurden den internationalen Schülerinnen und Schülern deutsche Gepflogenheiten und – altersgemäß angepasst – Kenntnisse über unser Staatssystem und gesellschaftliche Strukturen vermittelt. Auch das gesamte Lehrerkollegium hatte sich auf den Weg gemacht und sich intensiv mit Möglichkeiten beschäftigt, den Fachunterricht und Prüfungsaufgaben so zu gestalten, dass den noch unsicheren Deutschkenntnissen Rechnung getragen wird, ohne inhaltliche Anforderungen zu reduzieren. Ein weiterer Pfeiler des Projekts war die Einbeziehung der ausländischen Eltern, um auch mit ihnen trotz Sprachbarrieren eine Erziehungsgemeinschaft verwirklichen zu können. Dafür war es notwendig, ein Netzwerk von Sprachmittlern zu bilden und es war ganz erstaunlich, wie viele Fremdsprachen von Polnisch, Rumänisch, Spanisch bis zu Russisch und Chinesisch bereits im eigenen Kollegium abgedeckt werden konnten.

Eine intensive Schullaufbahnberatung nach dem erfolgreichen Absolvieren des Brückenkurses sorgte für einen reibungslosen Übergang ins Regelschulsystem. Die meisten blieben am Gymnasium, einige besuchen eine Real- oder Wirtschaftsschule und eine Schülerin aus Syrien schaffte es sogar in den Vorkurs der Fachhochschule.
Damit hat das Projekt die Erwartungen mehr als erfüllt.

Der große Erfolg des Projekts zeigt sich auch im hohen Zuspruch in diesem Schuljahr: 50 Schülerinnen und Schüler aus 18 Nationen sind derzeit am Gymnasium Seligenthal: 22 Kinder und Jugendliche ohne Deutschvorkenntnisse besuchen seit Schulbeginn die Brückenklasse, 28 weitere sind bereits im Regelunterricht, erhalten aber in vier zusätzlichen Wochenstunden eine Anschlussförderung, damit auch ihr weiterer Schulweg als Regelschüler noch fürsorglich begleitet werden kann.

Auch das Patensystem wurde ausgebaut, sodass nun auch ältere Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen ehrenamtlich als Hausaufgabenhilfe zur Verfügung stehen.

Die Auszeichnung mit dem Integrationspreis ist deshalb eine Ehrung der gesamten Schulfamilie, die auf dieses Projekt – so Staatsministerin Emilia Müller – „ sehr stolz sein darf“. Dabei leistet es nicht nur eine schnelle, effektive und damit auch kostengünstige Integration der ausländischen Kinder in unser Schulsystem und unsere Gesellschaft, sondern ist auch eine große Bereicherung für unsere deutschen Schülerinnen und Schüler, die durch die persönlichen Kontakte und Freundschaften mit unseren „Brückenkindern“ viel Interessantes aus den Herkunftsländern erfahren.

Ein großer Dank gebührt auch Stadt- und Landkreis und allen Sponsoren, die durch ihre finanzielle Unterstützung die Brückenklasse möglich gemacht haben, verbunden mit der Hoffnung, dass auch im neuen Schuljahr Sponsoren gefunden werden können, die mithelfen, dass dieses Projekt weitergeführt werden kann.

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Autor: OStD Ursula Weger | Datum: 05.10.2016