Alle Nachrichten aus dem Gymnasium Seligenthal

Seligenthaler besuchen den Grand Canyon State

Der Austausch mit Tucson (Arizona) fand 2017/2018 zum ersten Mal statt


Im Oktober 2017 besuchten 16 amerikanische Highschoolschüler aus Tucson (Arizona) das Gymnasium Seligenthal und lernten im Zeitraum von 17 Tagen ihre Austauschpartner, das deutsche Schulsystem und vielfältige Aspekte deutscher und bayerischer Kultur kennen. Auf gemeinsamen Ausflügen sahen die Schüler die Burg Trausnitz, sie erkundeten den Dachstuhl der Martinskirche, sie bestaunten das Schloss Neuschwanstein, besichtigten das BMW-Werk in Dingolfing und begaben sich in der Landeshauptstadt München auf eine Stadtführung mit einem abschließenden Empfang im amerikanischen Generalkonsulat. Der Besuch der Amerikaner war ein gelungener Start in das neue GAPP-Austauschprogramm zwischen dem Gymnasium Seligenthal und der Empire High School.

 Nun statteten die Seligenthaler Schüler ihren Partnern in den Osterferien den lange herbeigesehnten Gegenbesuch ab. Nach einem kleinen Zwischenstopp in Los Angeles kam die deutsche Gruppe nach intensiven Sicherheitschecks, 9430 Kilometern und 21 Stunden Reise in Tucson an und wurden von den amerikanischen Gastschülern und ihren Eltern freudig in Empfang genommen. Jeder Landshuter erhielt noch am Flughafen passende Willkommensgeschenke: einen kleinen Sombrero und eine Tube Sonnencreme mit dem Lichtschutzfaktor 70. Inwiefern sind das passende Geschenke? Nun, die Einflüsse des Nachbarlandes Mexiko – mit dem sich der amerikanische Bundesstaat eine gemeinsame Grenze von ca. 370 Meilen teilt – machen Arizona zu einer kulturell und kulinarisch sehr interessanten Region und es sollte sich sehr schnell herausstellen, dass man bei 35 Grad Celsius auch den zusätzlichen Sonnenschutz gut brauchen konnte. Alina Fries freute sich über das schöne Wetter und „(…) darüber, dass meine Gasteltern erlaubten, dass wir häufiger Poolpartys feiern durften (…)“ während Annika Engman auch die Vorzüge der Küche in Tucson  auffielen: „Es gab jede Menge gute mexikanische Restaurants.“

 Die amerikanischen Gastgeber hatten für die Seligenthaler ein buntes Programm zusammengestellt, wobei hier vor allem Fans von Natur und Wildnis auf ihre Kosten kamen.

 Im nahe gelegenen Sabino Canyon konnte man sich im Schatten von abertausenden Saguaro-Kakteen schon einmal "warmgehen" und die einzigartige Flora und Fauna des Wüstenstaates bestaunen. „Es war wirklich völlig anders dort, man kann so etwas nirgends in Deutschland sehen.“ meinte Rebecca Stögbauer nach einem für sie gelungenen Auftakt. Die gigantischen Kakteen (Carnegiea gigantea) wachsen nur an wenigen Orten der Erde und prägen das Erscheinungsbild der Sonora-Wüste mit ihren fulminanten Formen. Trotz einer intensiven Einweisung war man dann doch froh als sich kein Puma zeigte und man die Coyoten nur aus der Ferne hörte. Allein die Reise in den geradezu unverwechselbaren, gelben Schulbussen machte die Reise in den Canyon bereits zum Erlebnis. Julia Harbarth zeigte sich begeistert, dass in dieser trockenen Steinwüste „überhaupt Pflanzen wachsen“ und darüber, dass sie während einer Autofahrt „mehr Kakteen sah, als in meinem ganzen Leben davor.“

Nach einer kurzen Ruhepause und ersten Kontakten mit der amerikanischen Shopping-Mall-Kultur durften die Schüler die Eindrücke vom Sabino Canyon noch einmal vertiefen, das Desert Museum (Wüstenmuseum) bot hierzu mit seinen Kolibris, seinen Hunderten von Kakteensorten und einer imposanten Raubvogel-Schau die perfekte Gelegenheit.

Einer sonntäglichen Ruhepause folgte die erste ganze Woche an der Empire High School. Dort lernten die Seligenthaler den Schullalltag ihrer Gastschüler kennen und belegten sogar die gleichen Kurse. Annika Engman meinte zu ihren Erfahrungen mit dem amerikanischen Schulalltag: „Das Schulsystem und vor allem der Unterricht war sehr viel anders als in Deutschland. Es gab jede Menge Projekte, die natürlich wegen des guten Wetters oft auch draußen stattfinden konnten und es wurde oft in Gruppen gearbeitet.“ Auch Sophia Waldman konnte dem amerikanischen System viel abgewinnen, allerdings möchte sie nicht nur sechs Fächer haben, „die jeden Tag in der gleichen Reihenfolge besucht werden müssen“. Celine Schmidt ist insgesamt einfach ein Fan der Empire High School: „Die sommerliche Stimmung mit den vielen Pflanzen, dazu noch die locker geführten Unterrichtsstunden. Das hat mich total begeistert!“

Besonders interessant war während der ersten Woche ein Ausflug an die in Tucson gelegene University of Arizona. Dort nahmen die Schüler am Sprachunterricht von amerikanischen Deutschstudenten teil und fungierten als Muttersprachler und als Anschauungsobjekte. Das machte allen viel Spaß und es war schön zu sehen, dass auch in den USA die deutsche Sprache erlernt wird. Mit 40.000 Studenten und einem jährlichen Etat von fast zwei Milliarden Dollar ist die Universität ein wahrer Gigant und so war das den Ausflug abschließende Erkunden des Campus auch eine spannende Sache. Für Florian Krüger war die Universität wie „eine neue Stadt in einem anderen Staat“, ganz anders und „voller internationaler, junger und begeisterter Studenten.“ 

Nach einer interessanten Schulwoche packten die Jugendlichen am Freitag ihre Sachen für jenen Zweitagesausflug, dem sie schon seit 18 Monaten entgegenfieberten: über Phoenix und Flagstaff fuhr die 40-köpfige Gruppe zum magischen Ort Sedona mit seinen gewaltigen, roten Felsformationen. Nach einem längeren Aufenthalt in Sedona übernachtete die Gruppe schließlich in Williams - auf der Route 66 - und begab sich am nächsten Morgen zu jenem Ziel, das dem Bundesstaat seinen Spitznamen gibt: dem Grand Canyon. Auf dem Bright Angel Trail konnten sportliche Schüler den Canyon erkunden oder einfach oben entlang des dem Rim-Trails die atemberaubende Aussicht genießen. Bei bestem Wetter bestaunten die Seligenthaler und ihre Gastgeber das wohl gewaltigste Naturschauspiel des Kontinents. Katharina Hambusch, selbst passionierte Hobby-Photographin, meinte zu diesem Erlebnis: „Kein Foto wird dem Ausblick am Grand Canyon wirklich gerecht. Bei der Wanderung fiel es einem schwer, den Blick abzuwenden.“ und Rebecca Stögbauer pflichtete ihr bei: „Einfach der Wahnsinn. Auf jeden Fall ein tolles und einmaliges Erlebnis.“ Nach einer Ruhepause auf einem Aussichtsfelsen konnte Isabella Könsgen nur noch mutmaßen: „Ob es 10 Minuten waren oder eine ganze Stunde, das hätte ich in diesem Moment nicht sagen können.“  

Nach einer 6-stündigen Rückfahrt konnte man sich am Sonntag wieder erholen und die Eindrücke verarbeiten. Am Dienstag fuhren die Deutschen dann ohne ihre Gastgeber zur Biosphere 2, einem gewaltigen Bauwerk, in dem fünf verschiedene Klimazonen simuliert werden und das in den 90er Jahren erbaut wurde um auszuloten, ob der Mensch auch auf fernen Planeten in einem sich selbst erhaltenden, geschlossenen Ökosystem überleben könnte. Acht Teilnehmer überstanden zwei Jahre in diesem von Ingenieuren geschaffenen Wunderwerk und polarisierten in dieser Zeit die wissenschaftliche Welt. Auch die Seligenthaler waren tief beeindruckt von dieser Idee, aber die Aussicht auf eine Tasse Kaffee (in 14 Tagen) und auf zehn Stunden Farmarbeit am Tag veranlasste die Gruppe zur Rückreise an die Empire High School. Dort angekommen reflektierte Jasmin Eichhorn: „Ein bisschen verrückt muss man schon sein, um so etwas zu bauen. Aber schlau ist der Aufbau schon.“

Nach einer zweiten Woche an der Schule und zahlreichen Aktivitäten in den Familien verabschiedete man sich bei Barbecue, Pizza und Salaten am Donnerstag von den Gasteltern und der (Schul)Familie und reiste am folgenden Tag schweren Herzens über Chicago wieder in die BRD zurück. Zum Abschied gab es lustige Gesangseinlagen und viele Hugs and Kisses und jeder im Raum konnte spüren, dass hier echte (transatlantische) Freundschaften erwachsen waren. „Meine Austauschpartnerin und ich haben uns auf Anhieb super verstanden und wir hatten eine Menge Spaß und werden uns diesen Sommer auch schon wiedersehen!“ resümierte Alina Fries voller Freude und Chiara Stengel brachte es auf den Punkt: „Ich habe sehr viel mitgenommen und werde meine Erlebnisse niemals vergessen.“

Die Schüler aus Landshut blicken also auf zahlreiche Erlebnisse zurück und erlagen der Faszination Amerikas – mit all den für den Kontinent typischen Widersprüchen – voll und ganz. Auch für die verantwortlichen Lehrer, Juliane Kolmeder, Michael Menauer und Jennifer Sindersberger (Vertretung Frau Kolmeder), hatten viel Spaß und freuen sich auf 2020!

 Michael Menauer


Autor: HEC | Datum: 23.04.2018