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Souverän in sozialen Netzwerken unterwegs

Aktionstag zu mehr Internetsicherheit am Gymnasium Seligenthal


Gefakte Fotos, Beleidigungen im Netz, schnelle Verbreitung von Gerüchten – Jeder dritte Jugendliche gibt an, schon einmal im Internet gemobbt worden zu sein oder jemanden zu kennen, der online lächerlich gemacht wurde.  Der verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Medien muss gelernt werden. Gründe genug für das Gymnasium Seligenthal, einen Aktionstag zur Medienerziehung für die 5. bis 10. Klassen durchzuführen, um zu lernen, altersgemäß die Chancen der sozialen Netzwerke zu nützen und die Risiken zu minimieren.

Schon für die Schülerinnen und Schüler der Anfangsklassen können die ständige Erreichbarkeit und die viele Zeit, die Chatten und Spiele kosten, zum Problem werden, auch wenn das Gesetz ihre Teilnahme an sozialen Netzwerken noch verbietet. Durch die scheinbare Anonymität und das fehlende Gegenüber sind gerade in diesem Alter kommunikative Missverständnisse in den sozialen Netzwerken vorprogrammiert.

Welchen Preis zahlt man für „kostenlose“ Apps? Welche Informationen gibt man weiter, oft ohne es zu wissen, da nur die wenigsten Nutzer die umfangreichen Geschäftsbedingungen lesen? Welchen Gewinn ziehen die Betreiber der sozialen Netzwerke aus diesen Informationen pro Nutzer? Abzuwägen zwischen dem Nutzen einer App und der Informationspreisgabe war Thema der Schüler der siebten Klassen.

Eindringlich informierte Fritz Schweibold, Jugend- und Präventionsbeamter der Polizeiinspektion Landshut, über Fragen des Datenschutzes und Downloads. Auf besonderes Interesse stießen seine anschaulichen Schilderungen zu Cybermobbing aus seiner langjährigen beruflichen Erfahrung. Kompetent und umfassend erörterte er mit den Jugendlichen die weitreichenden Folgen und nahm jeden in die Verantwortung, bei Mobbing im eigenen Umfeld einzuschreiten.

Zur Zeit der Pubertät wollen die Jugendlichen ihre Spuren im Netz hinterlassen. Likes auf Fotos oder Posts seien die soziale Währung schlechthin, stellte Bruno Lux, Leiter der Staatlichen Schulberatungsstelle, fest. Dennoch müsse man sich des Öffentlichkeitscharakters und der langen Verweildauer im Netz bewusst sein und gut überlegen, mit welchem Foto z. B. man als Erwachsener noch konfrontiert werden möchte. Ab sieben Jahren seien Kinder zivilrechtlich haftbar und einige aktuelle Gerichtsurteile zeugten von empfindlichen Geldstrafen auch gegenüber 14-Jährigen.

Den Wahrheitsgehalt von Bildern und Statistiken problematisierten die Schülerinnen und Schüler der neunten Jahrgangsstufe mit ihren Sozialkundelehrern. Gerade weil jeder ungehindert  Informationen ins Netz stellen kann, ist es wichtig, die Mechanismen der Manipulation einerseits und objektive Recherchemöglichkeiten andererseits zu kennen, um auch mit scheinbar unverfälschten Daten sensibel umzugehen. Schnell wurde den Jugendlichen klar, wie viel Hintergrundwissen nötig ist, um Postfaktisches herauszufiltern.

Ein Highlight des Medientages war für die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen der Vortrag von Matthias J. Lange, Journalist, Blogger, Social-Media-Experte bei redaktion42 und Lehrbeauftragter an verschiedenen Stiftungen. Mit seinem reichen und äußerst umfangreichen Wissen beeindruckte er Schüler und Lehrer gleichermaßen. Nach einem kurzweiligen Überblick über die Bedeutung der unterschiedlichen Netzwerke je nach Alter der User und Land erörterte er z. B. neue Trends bei Videospielen, Einkaufen via Internet und den richtigen Umgang mit Smartphones. Er sensibilisierte für die Frage nach dem „digitalen Erbe“, d. h. elektronischen Daten, die nach dem Tod des Benutzers weiter existieren. Soziale Netzwerke sind, so der Experte, (un-)heimliche Miterzieher der Jugend. Umso wichtiger ist es, immer mehr Medienkompetenz zu gewinnen, um auf Chancen und Risiken angemessen reagieren zu können.

Angeregte Diskussionen im Klassenverband, moderiert von den Klassenleitern, schlossen den durchwegs sehr interessanten Vormittag ab. Die meisten Schülerinnen und Schüler unterzeichneten im Anschluss eine Selbstverpflichtungserklärung über den „Gebrauch meines Handys in der Schule“, die gemeinsam vom Elternbeirat, der Schülermitverantwortung und einer Lehrervertretung entwickelt wurde.

Herzlichen Dank an den Elternbeirat und Förderverein des Gymnasiums, die die Kosten für die Vorträge und Workshops übernommen haben!

Maria Fischer


Autor: ws | Datum: 10.03.2017