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50 Jahre Sozialwissenschaftliche Gymnasien in Bayern

Festakt mit Ministerpräsident Horst Seehofer am 18.9.2015 im Bildungszentrum Seligenthal


Schulleiterin Ursula Weger begrüßt die Festgäste und rund 700 Teilnehmer aus 49 Gymnasien

Ministerpräsident Horst Seehofer bei seiner Festrede

Festrede von Prof. Dr. Ursula Münch

Mit großer Spannung wurde von der ganzen Schulfamilie dieser Festtag erwartet, galt es doch, 50 Jahre Sozialwissenschaftliche Gymnasien in Bayern und damit zugleich 50 Jahre vertiefte politische und soziale Bildung zu feiern – ein Unterfangen, das angesichts der oft beklagten Politikverdrossenheit nicht hoch genug bewertet werden kann. Denn nur wer über sicheres Wissen verfügt, kann reflektieren, beurteilen und aufgrund eigener Überzeugungen selbstverantwortet handeln. Dies gilt in ganz besonderem Maß bei gesellschaftspolitischen Fragen und Problemen, wie z.B. die demographische Entwicklung oder die hohe Zahl der Asylsuchenden, – Themen, deren Komplexität und Vernetzung viele verunsichern und Ängste schüren, die schnell zu einem Nährboden für Vorurteile und Aggression werden.

Ein Gymnasialzweig, der Jugendlichen durch die Kernfächer Sozialkunde und sozialpraktische Grundbildung das Wissen und die Kompetenzen an die Hand gibt, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und Ursachen zu erkennen, befähigt sie, an Lösungen mitzuarbeiten und eine Gesellschaft mitzugestalten, in der in gegenseitiger Achtung und Wertschätzung - und dies ist viel mehr als nur Toleranz - Menschen verschiedenster Herkunft, Bildung und Überzeugungen friedlich miteinander leben können.

Es ist deshalb wohl kein Zufall, dass sich in den Anfängen besonders auch kirchliche Schulen für diesen neuen Zweig interessierten, der im Rahmen einer großen Bildungsoffensive den Mädchen ein attraktives gymnasiales Angebot machen wollte, um sie für akademische Berufe zu gewinnen. 27 Schulen führten diesen Zweig im September 1965 ein, darunter auch das Gymnasium Seligenthal, das in all den Jahren durch die hohe Akzeptanz dieses Zweigs bei Eltern, Schülerinnen und seit geraumer Zeit auch Schülern ein gutes Beispiel dafür ist, welches großes Ansehen dieser Zweig im gymnasialen Bildungsangebot besitzt. Heute sind es über 50 Gymnasien in kirchlicher, kommunaler und staatlicher Trägerschaft, die tagtäglich ihr Bestes geben, die ihnen anvertrauten Jugendlichen zu verantwortungsbewussten und verantwortungsbereiten Bürgern zu erziehen.

Deshalb ließen es sich die Schulen auch nicht nehmen, fast vollzählig aus ganz Bayern mit Schulvertretern, Eltern und Schülern anzureisen, um dieses Jubiläum mit ihrem Ministerpräsidenten und hochrangigen Ehrengästen aus dem Ministerium, der hohen Politik und vielen Institutionen des öffentlichen Lebens gebührend zu feiern. 700 Festgäste, darunter 300 Schülerinnen und Schüler des sozialwissenschaftlichen Zweigs, füllten die festlich geschmückte Mehrzweckhalle.

Pünktlich auf die Minute fuhr die Fahrzeugflotte von Ministerpräsident Horst Seehofer in den Schmuckhof ein, wo er von der Äbtissin Sr. Petra Articus, den Mitgliedern der Schulstiftung und der Schulleiterin Ursula Weger zusammen mit OB Hans Rampf, Landrat Peter Dreier, Regierungspräsident Heinz Grunwald, MdB Florian Oßner, den MdLs Hans Radlmeier, Ruth Mülller und Rosi Steinberger und vielen weiteren Ehrengästen empfangen wurde. Selbst das Wetter spielte mit und ließ den Himmel in den bayrischen Farben weiß- blau erstrahlen.

Chor und Orchester des Gymnasiums Seligenthal unter der Leitung von Margit Schleinkofer und Gabi Fröschl umrahmten den Festakt und begeisterten das Publikum durch ihre hervorragenden Darbietungen, die sogar Horst Seehofer ein spontanes "großartig" entlockte.

Nach der kurzen Begrüßung durch die Schulleiterin folgte die von allen mit großer Spannung erwartete Festansprache des Ministerpräsidenten, der eindrucksvoll die politische und gesellschaftliche Lage im Gründungsjahr des Zweigs 1965 schilderte und im Folgenden auch auf die aktuelle Problematik der vielen Asylsuchenden einging. Er appellierte mit großer Ernsthaftigkeit an die Zuhörer, sich nicht zu Schwarz-Weiß-Malerei verführen zu lassen. Die Komplexität der Ursachen und Zusammenhänge erforderten nicht nur eine europaweite, sondern eine weltweite Zusammenarbeit, bei der auch die Großmächte USA und Russland einbezogen werden müssten, um Lösungen finden zu können. Dabei spiele die Bildung für die Integration der Flüchtlinge eine herausragende Rolle- eine wahrhaft gewaltige Aufgabe für Bayerns Schulsystem, dessen Differenzierung für alle Begabungen beste Chancen biete. In diesem Zusammenhang ging Horst Seehofer auch auf das von Frau Weger in der Begrüßung vorgebrachte Anliegen einer gerechteren Refinanzierung kirchlicher Schulen in den Bereichen Inklusion, flexible Förderung, Ganztagsbetreuung und integrierte Lehrerreserve ein und versprach, hier über Abhilfe nachzudenken. Am Schluss seiner eindringlichen Rede ermunterte er die Jugendlichen, bei der Lösung der Zukunftsaufgaben mit anzupacken, wobei ihnen gerade im sozialwissenschaftlichen Zweig die dafür notwendigen Kompetenzen vermittelt würden, und nicht zu vergessen, dass sie trotz aller aktuellen Probleme in Bayern unter hervorragende Rahmenbedingungen in einer aufgeschlossenen, freiheitlichen Gesellschaft leben dürfen.

Die Anfänge des sozialwissenschaftlichen Zweigs und die Gründe für seine Einführung wurden in einem Gesprächskreis, moderiert von Herrn StD Friedrich Wölfl, und seinen Gästen, der ehemaligen Schulleiterin des Ursulinengymnasium Straubing Schwester Angela Veit, der ehemaligen Leiterin des Sophie -Scholl -Gymnasiums München und dem jetzigen Leiter des Benedikt-Stattler-Gymnasiums Bad Kötzting Günther Roith dargestellt. Dabei wurde hervorgehoben, dass neben der Gewinnung von Mädchen für eine akademische Laufbahn das Ziel der Erziehung zu einem mündigen Bürger nach den Erfahrungen im Dritten Reich besonders vorrangig war.

Die Notwendigkeit, über Kompetenzen und Wissen zu verfügen, die ein selbständiges Beurteilen des politischen Geschehens erlauben, betonte auch Prof. Dr. Ursula Münch, die Direktorin der Politischen Akademie. In Zeiten immer größerer Vernetzung der Menschen über Ländergrenzen hinaus und zugleich abnehmender Bedeutung der Deutungshoheit durch Parteien und gesellschaftliche Organisationen sei es immer wichtiger, dass jeder Einzelne über gefestigte Wertmaßstäbe und Wissen über die politische Rolle Deutschlands in der Vergangenheit und der daraus entstehenden Verpflichtung für die Gegenwart und Zukunft verfüge, um am öffentlichen Diskurs gewinnbringend teilnehmen zu können. Deshalb forderte Frau Münch eine stärkere Gewichtung des Fachs Sozialkunde in den anderen Gymnasialzweigen sowie eine intensive Einbeziehung politischer Themen in allen Fächern.

Mit Carl Orffs "O Fortuna", dargeboten von Chor und Orchester, fand der Festakt seinen Abschluss. Ministerpräsident Horst Seehofer ließ es sich trotz seines vollen Terminkalenders, nicht nehmen, sich wie Frau Münch ins Gästebuch der Schule einzutragen, und stand danach geduldig nicht nur für "offizielle Fotos", sondern auch für ungezählte Selfies mit den Schülerinnen und Schülern, die ihn umringten, zur Verfügung.

Ein Stehempfang – begleitet von der Bigband des Benedikt Stattler Gymnasiums aus Bad Kötzting – bot im Anschluss an den Festakt die Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen und Austausch.

Mehr Informationen:

Der Festakt in Bildern. Hier finden Sie die Fotogalerie zur Feierstunde

Das Programm zum Festakt. Hier finden Sie das umfangreiche Fest-Programm 

Zur Geschichte des Sozialwissenschaftlichen Zweigs in Seligenthal 

Bericht von isarTV zum Festakt auf youtube ansehen

Fernsehbericht von isarTV in der Mediatehk (08.10.2015)


Autor: HEC | Datum: 22.09.2015