"Herbstgeflüster" Der prämierte Film ist jetzt auch auf Youtube

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„Herbstgeflüster“- eine Filmpremiere am Gymnasium Seligenthal

 

Schüler eines P-Seminars präsentieren ihren selbst produzierten Film 

Für Emma ist es Liebe auf den ersten Blick, als der neue Sozialkundelehrer Markus Herbst an ihre Schule kommt. Doch ihre beiden besten Freunde halten nicht sehr viel von dieser Schwärmerei und wenden sich langsam von ihr ab. Hinzu kommt, dass ihr jemand schaden will und Lügen in der ganzen Schule verbreitet.

Dies könnte ein Film über Mobbing sein wie so viele andere, wären da nicht die eindringlichen Bilder, das ungewöhnliche Filmende und die Tatsache, dass Schüler des P-Seminars Film von der Idee über das Drehbuch bis zum fertigen Film alles mit höchstem Einsatz selbst erstellt haben.

Letzten Sonntag konnten die neun Schülerinnen und Schüler aus Q12 voll Stolz dem zahlreich erschienenen Premierenpublikum in der Aula des Gymnasiums Seligenthal ihre Eigenproduktion präsentieren und sich den Fragen des Publikums stellen. Susi Schrittenlocher und Lilly Düstersieck führten souverän durch das abwechslungsreiche und informative Programm. 

Der Film lässt einen nachdenklich zurück. Er weicht nicht auf einfache Lösungen aus. Ein Gespräch zwischen der Direktorin des Gymnasiums, dem Lehrer, der gemobbten Schülerin und ihrer ehemaligen Freundin, das die einzelnen Szenen verbindet, dient der Klärung des Sachverhalts. Eingeblendete Spielfilmszenen zeigen die Entstehung eines Gerüchts, die Ausbreitung im Lauffeuer und die zunehmende Vereinsamung der Protagonistin Emma, hervorragend gespielt von Lilly Düstersieck. „Es war der blanke Horror“, sagt sie zusammenfassend und der Zuschauer sieht ihre Not am verzweifelten Gesichtsausdruck und der gekrümmten Körperhaltung. Doch wer hinter den Lügen steckt, kann  das Gespräch nicht aufzeigen.

Der Zuschauer weiß mehr: Schon der Filmanfang konfrontiert ihn mit Szenen aus der Kindheit der Hauptdarstellerinnen. Zwei Mädchen, verkörpert von Klara und Valentina, zwei wahren Nachwuchstalenten aus dem Kindergarten Seligenthal, bekleben eifrig Luftballons mit Papier, bis es zu einem Bastelunfall kommt, dessen tragische Folgen erst in der Schlussszene durch das Einschreiten der Mutter deutlich werden. Während des Films lenken verräterische Details die Aufmerksamkeit des Zuschauers, die vielsagenden Blicke einer weiteren Hauptdarstellerin, treffend in Szene gesetzt von Gloria Fuchsbrunner, ein Foto aus Kindertagen und die Nagellackfarbe der kurz ins Blickfeld geratenden Hand, von der ein zweideutiges Handyfoto geschossen wird, das bald darauf an der Schule ausgehängt und später in den sozialen Netzwerken verbreitet wird.

Als Überraschung konnte das Premierenpublikum in den anschließenden Outtakes über lustige Versprecher, ungewollte Bewegungen oder einen plötzlichen Stopp des Kamerawagens, der sich an einem Türrahmen verfing, lachen.

Informativ wurde es, als der Editor Dominik Sax einen aufschlussreichen Blick hinter die Kulissen des Filmschnitts gewährte. Er umriss die Aufgaben und demonstrierte mit hoher Fachkompetenz live, wie in minutiöser Arbeit Elemente verschiedener Aufnahmen in einer Szene zusammengekoppelt werden, so dass das optimale Bild- und Tonergebnis erzielt werden kann. Das Publikum honorierte dies mit großem Beifall.

Anschließend stellte sich das Film-Team den Fragen und Anregungen des Publikums. Die Diskussion über das offene Ende des Films zeigte auf, wie viele Gedanken sich die Schülerinnen über die Hintergründe von Mobbing und zum Aufbau des Films gemacht hatten. Sie wollten aufzeigen, dass das Naheliegende nicht immer das Wahre sein muss, dass die Ursachen in der Regel vielschichtig sind und auch länger zurückliegen können. Sie hatten bewusst einen pädagogischen Ansatz gewählt, der die Zuschauer zu Diskussionen anregt, weil er manches nur andeutet und auf eine Lösung verzichtet. Es sei nur realistisch, dass ein Mobbingopfer wenig über den Täter wisse, aber dennoch einen Neubeginn wagen müsse, um aus der Gewaltspirale herauszukommen, fügte ergänzend die Leiterin des P-Seminars Maria Fischer hinzu.

Vom Premierenpublikum wurden besonders die ideenreiche Darstellung zum Beispiel von der Verbreitung des Gerüchts und das durchwegs hohe Niveau der schauspielerischen Leistungen gelobt. Robert Stefan, Theaterlehrer an der Schule, der vor den Filmaufnahmen den Schauspielern Unterricht gegeben hatte, äußerte sich voller Stolz über die Schüler, bei denen seine Anregungen auf fruchtbaren Boden gefallen waren, weil sie, wie der fertige Film zeigte, voll Herzblut dabei waren.

Besonders freuten sich die Schülerinnen, dass Reiner Urban und Karlheinz Maierhofer, beide erfahrene Mitglieder des Film- und Videoclubs Landshut, unter den Ehrengästen saßen. Der Club hatte die Kameras und Mikrofone zur Verfügung gestellt. Zudem hatte Reiner Urban den Schülern in Workshops zum „Schreiben eines Drehbuchs“ und  zum „Filmdreh“ wesentliche Tipps zum Gelingen ihrer Arbeit mitgegeben und die  Dreharbeiten mit begleitet. Er zeigte sich sehr beeindruckt von der Qualität des Films, von der guten Farbgebung, der sehr geschickten Szenenauswahl und dem Filmschnitt – ein Wort aus dem Mund eines Profis, das aus diesem Grund besonderes Gewicht habe, wie Susi Schrittenlocher meinte.

Auch Ursula Weger, die Schulleiterin des Gymnasiums, zeigte sich begeistert und dankte dem P-Seminar dafür, dass nun ein schuleigener Film von Schülern für Schüler zur Verfügung stehe, um im Unterricht zum Thema „Mobbing“ verwendet zu werden.

Am Ende der Premierenfeier drückten die Moderatorinnen im Namen des P-Seminars mit kleinen Geschenken ihren Dank für alle Unterstützer des Filmprojekts aus, und luden zu einem Stehempfang mit der Möglichkeit zum weiteren Austausch ein.

Das Premierenpublikum bedankte sich mit langanhaltendem Applaus für den gelungenen Filmabend. (Siehe auch Artikel in der LZ vom 16. Februar 2017 >)

Maria Fischer