Projekte und Exkursionen im Fach Latein

Vielfältige Projekte und Exkursionen bereichern den Unterrichtsalltag und geben Einblick in Bereiche, die mit dem Latein-Unterricht in unmittelbarem Zusammenhang stehen. 

„Charakterköpfe“ - ein Ausstellungsbesuch in der Glyptothek

Den ersten Wandertag im Schuljahr nutzten 32 Schülerinnen und Schüler aus Q11 und Q12 zusammen mit ihren Lateinlehrkräften Frau Weger, Herrn Ebermeier und Frau Fischer, um selbst einen Eindruck von lateinischen Autoren und anderen Personen des öffentlichen Lebens anhand von Büsten und Skulpturen aus insgesamt 1000 Jahren Antike zu gewinnen. Die Ausstellung „Charakterköpfe“ in der Münchner Glyptothek zeigt die Spannung zwischen realistischem Aussehen und Idealisierung, abhängig vom beabsichtigten Image des Auftraggebers.

Eindrücklich vergegenwärtigte Frau Dr. Wurnig in ihrer Führung die künstlerische Ausformung der Porträts, die das Selbstverständnis des Auftraggebers und den Zeitgeschmack widerspiegeln, waren doch die Büsten in römischer Zeit an öffentlichen Plätzen als Exempel der vergangenen oder gegenwärtigen Größe Roms aufgestellt.

Während im 1. Jhd. v. Chr. ein von Falten durchzogenes, wirklichkeitsnahes Gesicht eines alten Römers Autorität und Würde als Ergebnis der Lebensleistung vermittelte, ließ sich Princeps Augustus zeit seines Lebens als ewig jung mit idealisierten Zügen darstellen. So verkörperte er die Aufbruchsstimmung nach der Zeit der Bürgerkriege, die unter seiner Regierungszeit in eine lange Friedenszeit mündete. Das runde, wohlgenährte Gesicht Kaiser Neros sollte weniger ein realistisches Bild des Kaisers zeigen als vielmehr Wohlstand signalisieren. Kaiser Hadrian schließlich, mit Bart und einem in die Ferne weisenden Blick, wollte sich nicht nur als friedvoller Herrscher, sondern auch als Philosoph und Künstler verstanden wissen.   

Das Rückgrat der Ausstellung zur Porträtkunst bilden die Skulpturen aus archaischer, klassischer und hellenistischer Zeit von hauptsächlich griechischen Künstlern, oft als Kopien aus der Zeit der Renaissance erhalten.

Den nackten, vollkommenen Körpern von Jünglingen aus archaischer Zeit mit strengem, nach vorn gerichtetem Blick, äußerlich völlig unbewegt, dennoch auf Transzendenz verweisend, folgt in klassischer Zeit die allmähliche Entwicklung zur Individualität. Stand- und Spielbein zeigen körperliche Bewegung, symbolisieren aber auch Freiheit und Last des Lebens. Erst in hellenistischer Zeit drücken die marmornen Skulpturen Gefühle, Lebensfreude, auch Leichtigkeit aus. In vollkommener Weise zeigt der Barberinische Faun, ein an einen Fels gelehntes, entrückt träumendes, überlebensgroß dargestelltes gehörntes Wesen halb Mensch halb Ziege mit Schweif, einen absoluten Entspannungszustand im Schlaf. Auch das Medusenhaupt aus dem Palazzo Rondanini, eine Phidias-Kopie, für die schon Goethe auf seiner Italienischen Reise schwärmte, hat bis heute nichts von seiner Anziehungskraft verloren.

Durch diesen Ausstellungsbesuch wurde für alle eine Antike lebendig, die in Büsten und Skulpturen die Wirklichkeit je nach Intention der Politik oder des Künstlers genauso gefiltert erleben ließ, wie dies heute z. B. bei Politikerporträts und Werbefotografien der Fall ist.

Maria Fischer

O Fortuna - Landeswettbewerb Alte Sprachen

Die Schulleiterin Ursula Weger und seine Lateinlehrerin Maria Fischer gratulieren Konstantin Suttner zu seinem außerordentlichen Erfolg

Konstantin Suttner, Schüler der 11. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Seligenthal, erzielt im „Landeswettbewerb Alte Sprachen“ in Latein einen großartigen Erfolg und kommt in die nächste Runde.

Die Teilnehmer sollen sich „tüftelnd, übersetzend und kreativ mit den sprachlichen und kulturellen Grundlagen Europas befassen“ und sich „durch die Auseinandersetzung mit antiken Texten der Voraussetzungen des eigenen Denkens, Handelns und Seins bewusst werden“, heißt es in der Ausschreibung zum „Landeswettbewerb Alte Sprachen“ – eine Aufgabe, die alles andere als leicht gemacht wurde! Nur die besten Schüler stellten sich der Übersetzung eines philosophischen Textes und der Zusatzaufgabe, für die das in der Schule vermittelte Fachwissen die Basis war und auch Allgemeinwissen und Kreativität eingesetzt werden mussten. Nur wer den philosophischen Text Senecas zum Umgang mit unvorhergesehenen schweren Schicksalsschlägen mit dem Titel „O Fortuna!“  erfasste, sprachlich gewandt aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzte und dazu knifflige Aufgaben löste, hatte die Chance, die Zulassung zur nächsten Runde zu erwerben und einem Stipendium mit der Aufnahme in die „Studienstiftung des deutschen Volkes“ näher zu kommen. Konstantin Suttner, Schüler der 11. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Seligenthal, gelang es hervorragend, in einer dreistündigen Klausur unter abiturähnlichen Bedingungen die gestellten Aufgaben, die einem Abitur in nichts nachstehen, zu bewältigen. „Das hat mir richtig Spaß gemacht!“, kommentierte er bereits unmittelbar nach der Arbeit seine Erfahrungen. Korrigiert und bewertet wurden die Aufgaben von einer Kommission der Elisabeth-J.-Saal-Stiftung, die auch den Preis ausgelobt hat. Konstantin Suttner setzte sich unter mehr als 1000 Latein-und GriechischschülerInnen in ganz Bayern durch, gehört zur kleinen Gruppe der Besten und hat damit bereits einen Buch- bzw. Geldpreis gewonnen. Ein herausragender Erfolg, für den ihm höchstes Lob gebührt! Doch

Konstantin gibt sich damit noch nicht zufrieden, sondern möchte weiter auf dem Weg zu einem Stipendium bleiben. Er wird sich im Herbst der schriftlichen Interpretation eines weiteren antiken Textes stellen, der sich mit den sprachlichen und kulturellen Grundlagen Europas befasst, und wenn auch dies gelingt, in der letzten Runde an einem Colloquium mit Vertretern der Universität und des Bayerischen Kultusministeriums teilnehmen. Doch dafür braucht er neben seinem breiten Wissen auch sehr viel Glück: „O Fortuna!“

Maria Fischer

Lateinwettbewerb des Stiftes Melk

 

Vom 19. bis 21. Oktober 2016 fand im Stift Melk in Niederösterreich zum siebenten Mal der „Benedictus-Wettbewerb“ statt. Dieser unter der Bezeichnung „Litterarum Pugna Latina“ im Jahr 2000 von Abt Dr. Burkhard Ellegast ins Leben gerufene Wettbewerb, der inzwischen alle drei Jahre ausgetragen wird, soll die Jugend an die Person des heiligen Benedikt von Nursia und insbesondere an die von ihm aufgestellte Klosterregel heranführen, die nun nahezu eineinhalb Jahrtausende lang die geistliche Grundlage des Benediktinerordens und anderer klösterlicher Gemeinschaften bildet.

 

Für das Gymnasium der Schulstiftung Seligenthal beteiligten sich die Schülerinnen Svenja Awik und Antonia Dressel, beide Q12, an der „litterarum pugna“.

Nach fast fünfstündiger Anreise mit der Bahn und dem Bezug der Unterkunft im Stiftsgebäude bestand bei einem gemeinsamen Abendessen aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie der begleitenden Lehrkräfte die erste Möglichkeit gegenseitigen Kennenlernens. Im Rahmen einer nachfolgenden Abendveranstaltung stellten die Schüler ihre jeweilige Schule anhand eines selbstgestalteten Plakats kurz vor.

Am nächsten Tag wurde es dann ernst. Von 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr hatten sich die 56 Wettbewerbsteilnehmer mit lateinischen Texten und Interpretationsaufgaben intensiv auseinanderzusetzen. Prüfungsgrundlage und damit auch Grundlage der vorangegangenen, neben dem Unterricht zu leistenden Vorbereitung waren die Regula Benedicti und die Dialogi Gregors des Großen. Der Nachmittag gehörte einer geführten Besichtigung der Stiftsgebäude einschließlich des hervorragend gestalteten Museums und der äußerst imposanten Stiftskirche. Nach der Abendhore in der Benedictuskapelle und dem Abendessen im Sommerrefektorium traf man sich im „Treffpunkt“ zu einem gemütlichen Abend mit Musik.

Am Freitagvormittag fand unter der Leitung von Abt Georg Wilfinger die feierliche Abschlussveranstaltung statt. Natürlich durfte an dieser Stelle eine auf Latein gehaltene Rede nicht fehlen. Der Vorgänger des derzeitigen Abtes, der bereits erwähnte Altabt Burkhard Ellegast, übernahm diese Aufgabe sichtlich gerne; er fasste seine abschließenden Wünsche in folgenden Worten zusammen: „Opto, ut dies apud nos acti vobis omnibus gaudio sint et vos libenter horum dierum recordaturi sitis. Speramus domi tandem vos dicturos/-as esse: `Fuit tempus bonum`.“ Und eine gute Zeit, so dürfen wir jetzt  aus der Ferne antworten, haben wir in Melk allemal verbracht – eine Zeit, angereichert mit vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen. Werner Ebermeier, begleitender Lehrer

 

"1 -2 - 3 - Pfiff" - Fahrt mit einer römischen Galeere bei Regensburg am 8. Juli 2016

Die römische Galeere am Ufer
Alle sind bereit zum Rudern
Ein römischer Legionär erklärt römische Kampfmethoden
Manöver "Schildkröte"

In Mariaort bei Regensburg ließen Geschichtsstudenten der Universität Regensburg mit der römischen Galeere "Navis lusoria" die Antike wieder aufleben. Dabei waren alle Schülerhände der 7. Klassen gefragt. Denn diese Galeere lässt sich nur mit gemeinsamer Kraft aller Schüler und Lehrer bewegen. Die Studenten, die das Steuer und das Kommando übernahmen, erklärten kurz, welche Bewegungen mit den Rudern auszuführen sind, und dann ging die Fahrt schon los. Damit sich die Galeere schnell fortbewegte, wurde für jede einzelne Ruderbewegung Kommando gegeben: 1 - 2- 3 - Pfiff. Nach einer Weile verkürzte sich das auf den Pfiff und schließlich hatten alle SchülerInnen den Rhythmus so im Blut, dass keine Befehle mehr notwendig waren und alle gleichzeitig rudern konnten. Um einen Muskelkater im Oberarm zu vermeiden, wurde die Fahrt regelmäßig unterbrochen und die Studenten erzählten vom Leben der Römer auf einer Galeere: ihr Verdienst, die harte Disziplin, ihre Arbeitszeit und ihre Verpflegung. Bevor alle sicher und trocken an der Anlegestelle zurückkehrten, wurde schließlich eine Wettfahrt gegen die Zeit unternommen. Laut Aussage der Studenten: "Das war deutlich schneller als bei manchen Erwachsenengruppen." - ein Lob an unsere SchülerInnen. [ganzer Artikel - PDF-Datei]

Nachrichten aus Projekten und Exkursionen

20.10.2014

„Spuren des Lateinischen in Literatur und Film“[mehr]

21.07.2013

Seligenthaler Lateinschülerinnen und -schüler der 7. Jahrgangsstufe rudern[mehr]