Kreatives Schreiben – einige Beispiele:

Kreative Bearbeitungen der „Iphigenie auf Tauris“ von J.W.Goethe, (1.Akt, 1.Szene) aus dem Q11 Deutsch-Kurs von Frau Eberhard

Bayerisch

Iphigenie:
I wui hier weg!
Des is a Dreck!
I mog da naus,
Einfach nach Haus!
Des Heiligtum,
des mog I ned,
Denn Priesterin sei,
des find I bled!
I pass do ned her
Und d'Eltern vermiss I sehr!
Hier mog I koan,
Drum schick mi hoam!
A Frau hod's a ned leicht,
Der Mo aber hat ois erreicht.
Der edle Thoas hoit mi fest,
Des gibt ma jetz no voi den Rest!
Da Papa hod mi auße gschmissn,
Da host du mi, Diana, dem Tod entrissen!
Des war scho ganz nett
Aber... na ja...
Drum gib da an Ruck
Und schick mi zruck!

(Dendl, Liliana Düstersiek, Fiona Mantovan, Q11)

 

Moderner Ghetto-Slang

Iphigenie:
Ich chill hier so im Wald.
Is voll assi hier!
Überall Bäume, ich versteh das nich, ey?!
Gibt's kein Empfang hier?
Willst du mich verarschen?
Ich will zurück in mein Schloss, in mein Bett!
Frausein is voll Sch...!
Immer muss man tun, was die Männer wollen.
Der geht mir voll auf den Sack, der Alte!
Aber irgendwie ist auch voll korrekt?!
Danke nochma, Diana, fürs Retten!
Aber du bist auch so die Bitch,
wenn du nur meim Dad hilfst!
Mir gefällt's hier einfach nicht!
Hilf mir halt! Komm schon!

(Christoph Ganslmayer, Ilona Rohrmann, Anna Strasser, Q11)

 

Prosa

Iphigenie steht allein in einem dicht bewachsenen Wäldchen vor dem Tempel der Göttin Diana. Tauris ist immer noch keine Heimat für sie, trotz der langen Zeit, die sie hier mittlerweile verbracht hat. Sie beklagt sich über ihr Schicksal und betet zur Göttin Diana: "Jetzt stehe ich schon lange hier, vor deinem Tempel, in diesem dunklen Wald. Ich schulde dir so viel, Diana. Du hast mir ein zweites Leben geschenkt, doch gleichzeitig ist es für mich wie ein zweiter Tod. Jedes Mal, wenn ich am Meer stehe und die Sonne untergehen sehe, ergreift mich die Sehnsucht nach meiner Heimat und meiner Familie. Sogar als deine Priesterin fühle ich mich hier als Sklavin Thoas'. Auch wenn er ein guter Mensch ist, verhält er sich wie jeder andere Mann. Ich bin dir trotzdem dankbar, Diana, dass du mich vor der Tat meines Vaters gerettet hast. Ich flehe dich jedoch an, dass du mich aus diesem schrecklichen Leben ein zweites Mal rettest und mir meine Freiheit zurückgibst!" Iphigenie setzt sich auf einen umgefallenen Baumstamm und fängt bitterlich an zu weinen.

(Dorette Danner, Tibor Richter, Laura Schwarzbauer, Anna Temporale)

 

Original

Iphigenie:
Heraus in eure Schatten, rege Wipfel
Des alten, heil'gen, dichtbelaubten Haines,
Wie in der Göttin stilles Heiligtum,
Tret ich noch jetzt mit schauderndem Gefühl,
Als wenn ich sie zum erstenmal beträte,
Und es gewöhnt sich nicht mein Geist hierher.
So manches Jahr bewahrt mich hier verborgen
Ein hoher Wille, dem ich mich ergebe;
Doch immer bin ich, wie im ersten, fremd.
Denn ach! mich trennt das Meer von den Geliebten,
Und an dem Ufer steh ich lange Tage,
Das Land der Griechen mit der Seele suchend;
Und gegen meine Seufzer bringt die Welle
Nur dumpfe Töne brausend mir herüber.
Weh dem, der fern von Eltern und Geschwistern
Ein einsam Leben führt! Ihm zehrt der Gram
Das nächste Glück vor seinen Lippen weg,
Ihm schwärmen abwärts immer die Gedanken
Nach seines Vaters Hallen, wo die Sonne
Zuerst den Himmel vor ihm aufschloß, wo
Sich Mitgeborne spielend fest und fester
Mit sanften Banden aneinanderknüpften.
Ich rechte mit den Göttern nicht; allein
Der Frauen Zustand ist beklagenswert.
Zu Haus und in dem Kriege herrscht der Mann,
Und in der Fremde weiß er sich zu helfen.
Ihn freuet der Besitz; ihn krönt der Sieg!
Ein ehrenvoller Tod ist ihm bereitet.
Wie eng-gebunden ist des Weibes Glück!
Schon einem rauhen Gatten zu gehorchen
Ist Pflicht und Trost; wie elend, wenn sie gar
Ein feindlich Schicksal in die Ferne treibt!
So hält mich Thoas hier, ein edler Mann,
In ernsten, heil'gen Sklavenbanden fest.
O wie beschämt gesteh ich, daß ich dir
Mit stillem Widerwillen diene, Göttin,
Dir, meiner Retterin! Mein Leben sollte
Zu freiem Dienste dir gewidmet sein.
Auch hab ich stets auf dich gehofft und hoffe
Noch jetzt auf dich, Diana, die du mich,
Des größten Königes verstoßne Tochter,
In deinen heil'gen, sanften Arm genommen.
Ja, Tochter Zeus', wenn du den hohen Mann,
Den du, die Tochter fordernd, ängstigtest,
Wenn du den göttergleichen Agamemnon,
Der dir sein Liebstes zum Altare brachte,
Von Trojas umgewandten Mauern rühmlich
Nach seinem Vaterland zurückbegleitet,
Die Gattin ihm, Elektren und den Sohn,
Die schonen Schätze, wohl erhalten hast:
So gib auch mich den Meinen endlich wieder,
Und rette mich, die du vom Tod errettet,
Auch von dem Leben hier, dem zweiten Tode!

"DAS BAGUETTE" von Susanne K.

Ich bin nicht dünn und auch nicht fett,
aber ich esse gern Baguette.
Baguette ist toll
und macht mich voll,
sodass ich durch den Tag roll.
Sogar meine Freundin Janette
verwandelt sich gerne in ein großes Baguette.
Ja, alle lieben dich Baguette!
Doch für mich ist es so anstrengend Baguette zu holen
auf meinen superdünnen Sohlen.
Deshalb besorg` ich mir mein Baguette
ab sofort im Internet.

"Lügen haben kurze Beine" von Chiara Bevanda, ehem. 5d

Es war einmal ein Mädchen, das in ihrem ganzen Leben noch nie die Wahrheit gesagt hat. Sie war elf Jahre alt und hieß Anna-Maria. Lügen zu verbreiten ist sozusagen ihr Hobby. Als sie an einem Abend schlafen ging, hatte Anna-Maria einen schrecklichen Traum.

Sie ging mit ihren Freundinnen Sarah und Sophie shoppen. Als sie im New Yorker waren, wollte Anna-Maria nicht reingehen, weil sie die Klamotten dort zu teuer fand. ,,Ach komm schon Anna", flehte Sophie Anna-Maria an, ,,du musst ja nichts kaufen, nur schauen." "Na gut", gab sie schließlich nach, "aber nicht zu lange!" Die drei probierten viele Sachen an, bis Anna-Maria bei einem roten Paar High Heels stehen blieb. "Oh mein Gott! Die muss ich haben!", schrie sie sofort. "Was? Wir dachten du willst nichts kaufen!", erwiderte Sophie. Doch Anna-Maria wollte sie unbedingt haben. Als die drei bei der Kasse waren, gab es ein Problem. "Oh nein, ich habe zu wenig Geld dabei!", dachte Anna-Maria und sagte zur Verkäuferin: "Entschuldigung, aber ich kaufe die Schuhe doch nicht. Ich stelle sie wieder ins Regal." Als sie aber beim Regal angekommen war, dachte Anna-Maria: "Ich könnte die Schuhe ja in meine Tasche tun. Wird bestimmt niemand merken!" "Anna, kommst du?", schrie Sarah und riss Anna-Maria aus ihren Gedanken. "Ja gleich!", antwortete Anna-Maria. Sie stopfte die Schuhe in ihre Tasche und ging zurück zu ihren Freundinnen. "So, wir können gehen", sagte Anna-Maria. Doch beim Ausgang machte es biiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiip. "Oh nein! Erwischt!", dachte sie.

Später im Polizeirevier sagte Anna-Maria immer: "Ihr müsst mir glauben, ich war es nicht!" Plötzlich wurden die Polizisten immer größer. Oder wurde Anna-Maria kleiner? Ja wirklich! Ihre Beine sind total kurz geworden! "Oh nein! Wie schrecklich!", dachte Anna-Maria. Doch plötzlich wurde es hell...

Auf einmal lag sie schweißgebadet in ihrem Bett. "Puhhh, nur ein Traum!", dachte Anna-Maria. Von da an hatte sie nie wieder gelogen. Anna-Maria entschuldigte sich auch beim Geschäftsführer vom New Yorker. Dort kann sie jetzt auch wieder wie ein netter Kunde shoppen gehen.