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20 Jahre Freundschaft zwischen dem Gymnasium Seligenthal und der Yhteiskoulu in Kouvola, Finnland

Manche Freundschaften entstehen auf verschlungenen Wegen,


...haben manche Schwierigkeiten zu meistern, entwickeln sich dann aber in ungeahnter Weise und entwickeln eine Anziehungskraft, die viele Menschen begeistern und miteinbeziehen kann. Unsere Partnerschaft mit Finnland ist sicher ein gutes Beispiel für den eben geschilderten Werdegang. Denn am Anfang stand keineswegs der Entschluss der Schulfamilie, einen Austausch mit einer finnischen Schule zu beginnen. Am Beginn stand 1995 eine Anfrage der Finnischen Gesellschaft über das Bayerische Amtsblatt, finnischen Lehrkräften ein mehrwöchiges Praktikum an einem bayerischen Gymnasium zu ermöglichen. Frau Evelyn Dreier erklärte sich spontan bereit, eine finnische Lehrkraft am Gymnasium Seligenthal zu betreuen und da die damalige Direktorin Sr. Seraphina nichts dagegen hatte, kam Frau Anna-Liisa Ketovuori für vierzehn Tage zu uns. Nun war allerdings auch ein Gegenbesuch nicht nur möglich, sondern erwünscht, sodass Frau Dreier sich im Jahr darauf aufmachte, für zwei Wochen in Finnland Deutsch zu unterrichten. Die finnische Schule in Kouvola war von dem Lehreraustausch so angetan, dass spontan die Idee aufkam, doch auch finnischen Schülern vom hohen Norden eine Reise in den Süden Deutschlands zu ermöglichen. So kamen vom 9.-14.2. 1998 erstmals eine Gruppe finnischer Schülerinnen und Schüler aus der Yhteiskoulu zu uns. Und siehe da: so gut, wie sich die beiden Lehrerinnen verstanden hatten, harmonierten auch die Schüler trotz oder gerade wegen des ganz anderen kulturellen Hintergrunds und der Hürde, dass die finnischen Gäste zwar deutsch, die deutschen Gastgeber aber keineswegs finnisch konnten – ein Punkt, der sich leider von unserer Seite bis heute nicht verbessern ließ. Bei näherem Hinsehen entdeckten wir – wie es in jeder beginnenden Freundschaft zu geschehen pflegt – immer mehr Berührungspunkte: auch Bayrisch lässt sich schwer aussprechen, gute Schokolade gibt es hier wie dort, das Mittelalter schuf in beiden Ländern eine ganz ähnliche Architektur und finnische Komponisten wie Sibelius sind auch bei uns sehr bekannt. Auch wir lieben finnische Sauna und die Landshuter sind seit Generationen große Eishockeyfans. Die zunehmende Vertrautheit miteinander ließ den Wunsch nach einem Gegenbesuch unserer Schülerinnen und Schüler in Finnland immer drängender werden – ein Wunsch, der 2009 erstmals in die Tat umgesetzt werden konnte. Im Herbst letzten Jahres waren die Seligenthaler unter der bewährten Leitung von Frau Dreier nun schon zum fünften Mal in Kouvola im Süden Finnlands und wir sind guter Hoffnung, dass auch diesem Besuch noch viele weitere folgen werden. Die herzliche Gastfreundschaft, die unsere Schülerinnen und Schüler, aber auch unsere Lehrkräfte bei ihrem Aufenthalt bei den finnischen Gastgebern erfahren, knüpft dabei die Bande zwischen unseren Schulen immer enger und wurde und wird zur Basis für ganz persönliche Freundschaften zwischen Jugendlichen und Lehrkräften. Aus dem zarten Pflänzchen einer Lehrerhospitation ist ein starker Baum geworden mit jährlich wachsenden Jahresringen. Das ist wahrlich ein Grund zum Feiern – und eine Gelegenheit dankbar zurückzuschauen, aber auch hoffnungsfroh in die Zukunft zu blicken, auf dass wir nicht nur bald Silberhochzeit, sondern auch goldene Hochzeit feiern können in einem hoffentlich weiterhin friedvollen Europa. In Zeiten wachsender Nationalismen sind es gerade die persönlichen Begegnungen, das zeitweise Teilen des alltäglichen Lebens im jeweiligen Gastland, der Austausch über Gewohnheiten, Vorlieben, Überzeugungen und Hoffnungen, die uns zeigen, dass uns viel mehr verbindet als trennt. Nur so kann die Einsicht wachsen, dass wir in Europa einander brauchen und – ohne unsere Identität aufgeben zu müssen – nur miteinander die großen Fragen und Probleme unserer Zeit bewältigen können. Ein herzlicher Dank gilt dabei den Gastfamilien, die ihr Haus und ihr Herz für ihren Gast öffnen, den Lehrkräften, die den Austausch mit viel Organisationsaufwand und Herzblut gestalten und begleiten, den Schulleitungen, die den Austausch zu einem festen Bestandteil des Schulprogramms werden ließen, bis hin zu den nicht in den Austausch eingebundenen Kollegen, die die Unruhe und die zeitweise Abwesenheit von Schülern, die jeder Austausch mit sich bringt, geduldig ertragen. Gefeiert wurde das Jubiläum mit einem gemeinsamen Festakt in der Aula. 45 finnische Schülerinnen und Schüler waren dieses Jahr mit ihren Lehrkräften Annika Ranta, Sisko Heikkilä und Johanna Kuisma-Taskinen nach Landshut gekommen, darunter 34 Mitglieder des Schulchores, der unter der Leitung von Johanna Kuisma-Taskinen zusammen mit einem Bläserensemble von Seligenthaler Lehrkräften den Festakt schwungvoll gestaltete. Neben vielen Ehrengästen und Wegbegleitern des Austauschs konnten wir sogar die Schulleiterin aus Finnland, Frau Tarja Korhonen begrüßen, die zur Jubiläumsfeier extra aus Kouvula angereist war. Sie bedankte sich ganz herzlich bei den Seligenthaler Gastfamilien und der Schule, die auch dieses Jahr den Aufenthalt in Landshut mit einem interessanten Programm mit Stadtführung, Ausflügen an den Chiemsee und nach München, aber auch dem Besuch des Unterrichts zu einem echten Erlebnis für die finnischen Gäste gemacht hatten. Im Anschluss waren alle Gäste der Jubiläumsfeier zu einem bunten Büffet eingeladen, zu dem die Gastfamilien ganz unterschiedliche Speisen gebracht hatten, wobei natürlich auch Brezen und ein bayerischer Leberkäse nicht fehlen durften. Für die gute Stimmung sorgte das Bläserensemble mit Judith Ruhland, Hildegard Briller, Benedikt Schramm, Christoph Babinger – und als Gäste Stefan Kammhuber und Michael Laumann - mit bayerischer Musik – ein wunderbarer Rahmen für viele gute Gespräche und zum Schmieden neuer Pläne für den nächstjährigen Austausch.

Ursula Weger


Autor: ws | Datum: 11.04.2019