Alle Nachrichten aus dem Gymnasium Seligenthal

Jahrestagung der sozialwissenschaftlichen Gymnasien Bayerns in Seligenthal mit Prof. Dr. Ursula Münch

Zur Jahrestagung konnte


... Schulleiterin Ursula Weger in ihrer Funktion als Sprecherin des Arbeitskreises der über 50 sozialwissenschaftlichen Gymnasien Bayerns neben den Schulleitungen der Gymnasien auch Vertreter des Kultusministeriums und Frau Prof. Dr. Ursula Münch von der Politischen Akademie Tutzing am Gymnasium Seligenthal begrüßen, um sich über wesentliche Anliegen dieses Zweigs und seine Weiterentwicklung im G9 auszutauschen. MR Peter Kammler aus der Gymnasialabteilung des KM skizzierte kurz die Schwerpunkte der neuen Oberstufe, die neben einer stärkeren Profilbildung, einer Akzentuierung der MINT-Fächer und der Digitalisierung vor allem die politische Bildung als fachübergreifende Aufgabe im Rahmen der Demokratieerziehung und Wertebildung in den Mittelpunkt stellen wird.

 

Diesem Ziel trägt auch die Schaffung eines online-Lehrbuchs mit aktuellen Unterrichtsmaterialien für die 8.und 9. Jahrgangsstufe in „Politik und Gesellschaft“ Rechnung, das derzeit in einer Arbeitsgruppe des ISB, der auch Frau Blaschke, die Seligenthaler Fachbetreuerin des Fachs „Politik und Gesellschaft“, angehört, erstellt wird. Da kaum ein Fach so sehr „am Puls der Zeit“ sein muss, bietet sich die digitale Form besonders an, um die Materialien immer auf dem neuesten Stand zu halten.

Laut StD Stefan Grabrucker wird der neue Lehrplan die digitale Bildung besonders intensiv behandeln, da gerade Entwicklungen in sozialen Netzwerken immer deutlicher zeigen, wie wichtig eine verantwortungsbewusste Nutzung ist.

Dies war auch das Stichwort für Prof. Dr. Ursula Münch, die Leiterin der Politischen Akademie in Tutzing, die in einem spannenden Vortrag Ursachen und Folgen von Veränderungen der politischen Debattenkultur in Parlamenten und sozialen Netzwerken beleuchtete. Dabei zeigte sie, wie das schwindende Vertrauen der Bürger in die Politik und führende Vertreter der Wirtschaft, in Institutionen und öffentliche Medien viele anfällig mache für populistische Parolen und die Bürger nur allzu gern darin bestärke, vom Establishment benachteiligt oder betrogen zu werden. Dies führe zu einer starken Polarisierung der öffentlichen Debatte, bei der antifeministische, antiislamistische und antieuropäische Einstellungen auf oft moralisierende Statements für Gendergerechtigkeit, religiöse Toleranz und Globalisierung prallen. Hinzu käme die Angst vieler Bürger, in einer globalisierten, vom Klimawandel bedrohten und immer schneller digitalisierten Welt nicht mehr mitzukommen, sowie die schwindende Autorität von Kirche und Institutionen und eine immer stärkere Hinwendung zu sozialen Netzwerken als einzige Informationsquelle, in denen bewusste Desinformation durch Fake News, Filterblasen und die ungeprüfte Verbreitung individueller Meinungen eine ausgeglichene Information über das politische und öffentliche Geschehen verhinderten. Da hier kein direktes Gegenüber die Wirkung der eigenen Äußerung spiegle und damit auch gleichzeitig mäßige, seien Hass und Hetze, Häme und Aggression Tür und Tor geöffnet. Dies zeige, wie wichtig eine intensive politische Bildung der Heranwachsenden sei, damit sie die Wirkweise sozialer Medien beurteilen können, sowie die Erziehung zu Kompromissfähigkeit und wertschätzendem Umgang miteinander. Doch auch Politik und Medien müssten sich, so Dr. Münch, intensiv bemühen, verlorengegangenes Vertrauen wiederzugewinnen und Meinungsvielfalt und gute Recherche platten Parolen und Behauptungen entgegenzusetzen.


Autor: ws | Datum: 02.04.2019