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Nutzt das Smartphone als Waffe des Friedens! Extremismus-Prävention in der Oberstufe


Der „Peacemaker“ Simon Jacob beeindruckte und begeisterte mit einem Vortrag zu seinen Erfahrungen im Nahen Osten und einer Lesung zum Buch „Project Peacemaker“.

„Das Smartphone ist eine Waffe. Woher wisst ihr, ob die Informationen, die ihr weiterverbreitet und liket, der Wahrheit entsprechen?“, so sprach Simon Jacob die Oberstufen-Schüler zu Beginn seines Vortrags in der Aulaachtan. Er berichtete anhand eigener Erfahrungen als Journalist von der Gleichgültigkeit mancher Nutzer der Internet-Plattformen, die sein Leben durch Falschinformationen gefährdeten und fordert die Schüler zu einem verantwortungsbewussten Gebrauch digitaler Medien auf.

Als freier Journalist und Vorsitzender des Zentralrats orientalischer Christen in Deutschland hat er das „Project Peacemaker“ ins Leben gerufen. Geboren in einem Dorf in der Osttürkei an der syrischen Grenze, kam er mit seinen Eltern im Alter von zwei Jahren nach Deutschland und wuchs in Augsburg auf. Er arbeitete zunächst in einer Beraterfirma in München, bis er - aus persönlicher Betroffenheit - sein Leben neu ausrichtete und Frieden zu stiften im Nahen Osten zu seiner Lebensaufgabe machte.

Nachrichtensendungen bringen jeden Tag Bilder der Kriegsschauplätze von erschreckender Gewalt, von beispiellosen Aggressionen und nicht eingehaltenen Abmachungen. Hilflosigkeit und Frustration erfassen den Zuschauer. Wenn Simon Jacob, der sich unermüdlich für den Frieden engagiert, von seiner Arbeit und seinen Erfahrungen berichtet, macht er Mut, sich einzusetzen und nicht aufzugeben. Die Schüler können mithilfe von QR-Codes, die in seiner Präsentation eingestreut sind oder sein Peacemobil, einen Infokiosk, zieren, vertiefende Informationen wie geschichtliches Wissen erhalten oder auch später den Lifestream der Veranstaltung anschauen und so z. B. das Smartphone sinnvoll verwenden.

Seit etwa acht Jahren nutzt Simon Jacob seine aramäische Muttersprache und die Herkunft aus einem der bedeutendsten Clans der Region als Chance, um auf den zahlreichen monatelangen Reisen z. B.  in die Türkei, nach Syrien, Irak und Iran mit den Menschen dort ins Gespräch zu kommen, ebenso wie mit Geistlichen der Minderheiten und militärischen Führern, und sich damit aus erster Hand zu informieren.

Wenn Simon Jacob erzählt, lässt er dem Hörer die Wut, die Empörung und manchmal den Hass spüren, den er angesichts des unvorstellbaren Leids empfindet, das eine Kriegspartei der anderen zufügt. Der Zuhörer kann die Rachegedanken der Opfer nachvollziehen, die dann wieder Hass und Leid erzeugen, wenn sie Gleiches mit Gleichem vergelten. Doch der „Peacemaker“ vermittelt auch die feste Überzeugung, dass Frieden möglich ist, dass interkulturelle und interreligiöse Grenzen trotz aller Gewalt überwunden werden können und teilt diese Erfahrungen mit den Zuhörern und den Lesern des Buches. Er erzählt von Treffen mit Kriegsteilnehmern, die trotz des Grauens, das sie in den Krieg zwang, zu Vergebung bereit sind und entwickelt daraus ein flammendes Plädoyer für die Würde jedes Menschen, in die er explizit auch Kriegsverbrecher miteinbezieht.

Zugleich kann er Zusammenhänge zum Krieg in Nahost erklären, die in Deutschland unbekannt sind. Trotz aller Bilder von Terror und Krieg setzt sich Simon Jacob engagiert für Frieden ein - Frieden durch gegenseitigen Respekt und Toleranz gegenüber anderen Kulturen, Religionen und Weltanschauungen auf der Basis der allgemein gültigen Menschenrechte. Frieden sollte, wie der Referent meint, auch durch moderne Medien unterstützt werden: „Nutzt euer Smartphone als Waffe – als Waffe des Friedens!“

Unser herzlicher Dank gilt dem Haus International, dem CBW, der Jugendarbeit des Landkreises Landshut und der Pax Christi Gruppe Landshut, die diese gewinnbringende Veranstaltung im Rahmen der 30. Interkulturellen Wochen finanziert haben.

Maria Fischer


Autor: bl | Datum: 16.10.2018